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Weihnachtskrippen in Steiermark : kleine Kulturgeschichte eines Volkskunstwerkes
Entstehung
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Triebe nach geistig- sinnlichem Ausdruck strebten und jene seltsamenAndachtsformen der Hochgotik entstehen ließen, wie sie ähnlich erstwieder die Frömmigkeit des barocken 17. und des frühen 18. Jahr-hunderts oder gar erst das spielerische Rokoko brachte. Hier mehrensich die Andachten und Traktate mit Gebeten und geistlichen Aus-deutungen des Kindbettes Mariens, der Wiege und die Einladungenzum geistlichen Besuch der Wochenstube der jungfräulichen Gottes-mutter"). An der Wende dieses Jahrhunderts aber erzählt der dich-tende Mönch von Salzburg wie Maria und Josef singen ,, so mandas kindel wigt"; der Chor und später auch die Orgel fallen in dasLied der beiden ein. Noch bis 1870 durften die Clarissen zuBrixen an diesem mittelalterlichen Brauch festhalten ¹²).

Früh schon wollten auch die Bürgersfrauen ihr Christkindl wie-gen. Sie brachten es zur Singandacht in die Kirche und nahmen eswieder heim. Gerade im, Kindelwiegen" wird erstmals die Weihnachtzum Familienfest. Dies aber zu einer Zeit, als eben die Reformordendie Menschen allenthalben wieder stärker an die Feier in der Kirchezu binden trachteten, als sie auch diesen Brauch der ,, cunarumagitatio" gerne aufgriffen, beibehielten und zum Anlaß nahmen,das Volk im Gotteshause selber um die einfache Krippe mit demKinde zu scharen, selber die Wiege zu bewegen, dazu lateinisch zusingen und auch die Gläubigen in ihrer Sprache singen zu lassen.

Zur selben Zeit vermerkt der Kölner Ratsherr Hermann vonWeinsberg in seiner Chronik:, Anno 1581 den 25. Decembris uff denhilligen Christtach... hab ich Hermann myn broder und dyn haus-fraw und myn suster Sibilla und andere gesyde( Hausgenossen)den abends im hauß Weinsberg under unẞ daß kyndtgin gewieget,gesongen und mit Ihesulein frolich gewest 13)."

Wie viele Lieder sind aus dieser Stimmung entsprossen! Sie bildeneine besondere Gruppe in der Fülle weihnachtlichen Liedgutes in unse-rem Volke. Ihre Frühformen finden sich handschriftlich in manchenKlosterritualien erwähnt. Manchmal scheinen sie im Druck auf, geziertmit einem Holzschnittbild des Christkindes und als Neujahrslied"benannt, weil das neugeborene Kind dem Neuen Jahr in uralter, schonvorchristlicher Symbolik gerne gleichgesetzt wird ¹). Viele dieser Lie-der, die auch in den Volks- und Kirchenliedersammlungen von derGegenreformation an begegnen, sind bis heute beliebt ob ihrer wiegen-den Weisen, in denen sich Volksfrömmigkeit und Weihnachtsfrohsinndes Barock und Rokoko musikalisch aussprechen. Es ist das Idyll derjungen Mutter, die weltvergessen ihr Kindlein wiegt:

Auf dem Berge, da wehet der Wind.

Da wieget Maria ihr Kind.

Sie wiegt es mit ihrer schneeweißen HandUnd brauchet dazu gar kein Wiegenband.

11) Spamer, a. a. O., S. 31.

12) Ebenda S. 30.

13) Ph. Schmidt, Volkskundliche Plaudereien. Bonn 1941. S. 76.

14) Vgl. F. Leskoschek, Frisch und g'sund! Ein alpenländischer Brauchzur Jahreswende( Blätter für Heimatkunde, Bd. XX, Graz 1946, H. 4, S. 27 ff.).

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