organisierte die Fürstin eine ,, Japanische Redoute" in den Sofiensälen und eineTageszeitung schwärmte: ,,(...) Japans Ruhm hat heute nachts gar viele nichtschlafen lassen. Aber nie ist eine Schlaflosigkeit vergnüglicher gewesen, alsdie, welche Wiens erfindungsreiche Fürstin den Besuchern des Sofiensaalesdurch die japanische Redoute bereitete(...). Um halb zehn Uhr war das Minia-turjapan in den Ballsälen von den reizendsten Geishas und Japanerinnen derartbevölkert, daß jetzt schon, noch vor dem offiziellen Beginn des Festes, einlebendiges und amüsantes Redoutenleben herrschte(...)., Hoch Japan' war dasLosungswort geworden und die wunderschönen Geishas und Japanerinnenwurden nicht müde, alle Herren zu Japanschwärmern zu bekehren."( zit. nach:Pantzer 1990, S. 16) Aber nicht nur die Fürstin Metternich veranstaltete japa-nisch inspirierte Festivitäten, auch der Männerchor Donaustadt lud beispiels-weise 1894 zu einem„, Japanischen Volksfest“, 1913 fand im Stadtpark einJapanfest statt und ein Vergnügungs- Etablissement im zweiten Bezirk nanntesich ,, Japan", der Englische Garten im Prater verfügte über ein Japan- Haus, inKarlsbad- Fischern stand ein japanischer Porzellan- Pavillon usw.
Nochmals soll hier Peter Altenberg zitiert werden, der in seinem 1918erschienenen Buch ,, Vita ipsa" sein Zimmer im Grabenhotel beschreibt:,, Ein Nest sich bauen, wirklich sein höchsteigenes, apartes, von allen ande-ren unterschiedliches Nest! Wie der Vogel es Halm für Halm sorgsamzusammenträgt!(...) Mein einfenstriges Kabinett im fünften Stock des, Grabenhotel ist mein, Nest', Halm für Halm zusammengesucht seit 20Jahren. Die Wände ganz bedeckt mit Photos: Die Prinzessin ElisabethWindisch- Grätz im 5. Lebensjahre.(...) Japanische Sumpfvögel, der Berg, Fushji', ein großes Kruzifix aus der Bozener Holzbildnerschule, GustavKlimts, Schubert- Idylle', Schloß Orth im Winter ,, Grablegung von Ciseri;Photos von: Bertha L., Klara P., Nah- Baduh aus Accra, Paula Sch., GreteH., Kamilla G., Fräulein Mayen, Fräulein Mewes, und meine dreiunddreißiggeliebten Ton- Vasen und vierundsechzig japanischen Kleinkunst- Sachen,zusammengeschnorrt von, Verehrerinnen"."( Schweiger 1977, S. 116-117)War der Japonismus um die Jahrhundertwende eine- im weitesten Sin-ästhetisch- künstlerisch geprägte Zeitgeisterscheinung, so hat Japanseine prominente Position im Alltagsleben heute, allerdings unter geänder-ten Vorzeichen, neuerlich behauptet. ,,, Made in Japan' begleitet uns innahezu allen Bereichen des Lebens, ist zum Ausdruck einer auf technischemFortschritt basierenden globalen Kultur geworden.(...)" Vielleicht ist es garnicht so sehr das Bild Japans selbst, das sich grundlegend verändert hat,sondern unser Blickwinkel. ,, Heute sind wir fasziniert und fühlen uns imhöchsten Maße bedrängt von der industriellen Produktion der fernöstlichenInsel, die weltweit selbst das entlegenste Dorf erfaßt."( Noever 1990, S. 4)Welches Bild haben aber die Japaner- abgesehen vom wirtschaftlich- in-dustriellen Konkurrenzkampf- vom Westen, von Europa? Wie hat sich dieAnpassung vollzogen, ja hat man sich überhaupt angepaẞt?
ne-
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