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Tourismus und Regionalkultur : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1992 in Salzburg
Entstehung
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Konrad Köstlin

Landstrichen überhaupt nicht spazieren- hätte ich recht wenn ich sagte,, immer noch nicht?- es sei denn, sie schieben einen Kinderwagen überdie einsamen Asphalt- Wege: der Kinderwagen als Alibi für camoufliertenMüßiggang und Beschäftigtsein als Mutter. Kurz, es ist der hilflose undkaum verhohlene Einbruch der Moderne, das roh und äußerlich urbani-sierte Land.

Im Museum für Deutsche Volkskunde in Berlin gibt es eine Reliefkarte,die alle Regionen aufzeigt, in denen Volkskultur gesammelt wurde, die inpuncto Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag  Brauchtum ergiebig waren. Es verwundert kaum, daß diese Sam-melregionen auch die klassischen Ausflugslandschaften der entstehendenGroßstädte des 19. Jahrhunderts, die Zentren der Heimatbewegungen unddie Zielregionen der Wandervereine gewesen sind. Keine Rede ist dabeivom Ruhrgebiet etwa und anderen Ballungszentren, deren Sprachen niedie Weihe der Mundart zugebilligt wurde; sie bleiben weiße Flecken aufder Karte, blind. Sichtbar sind jene Regionen der Haus- und Trachtenland-schaften, der sogenannten Reliktgebiete, jene Schwalmen und Schweizenund Gaue, jene buckligen Welten, Wiener-, Spree- und Schwarzwälder,jene ideologisch- pittoresken Nachfolger und Weiterträger der alten, durchRechtsordnungen vereinheitlichten, kulturprägenden Territorialherrschaf-ten. Sie alle präsentieren sich in ihren ästhetischen Erscheinungsbildern bisheute in agrarisch- vorindustriellem Image. Sie strahlen urlaubige Länd-lichkeit aus, auch wenn sie mittlerweile veritable Industriestandorte sind,in denen Folkloristisches als Emblematik genutzt wird.

II.

,, Im Salzkammergut, da kamma gut lustig sein, wenn die Musik spielt", kenne ich aus der verfilmten Operette und im Weißen Röẞl amWolfgangsee" gibt es Salzburger Nockerln, Salzburger Nockerln", das istdie Message von Salzburg. Die Stadt ist eine Botschaft, ist ganzjährigesFestspiel, mit Mozartkugeln verzuckert und durchinszeniert. Sie nutzt da-bei die Architektur Wolf Dietrich von Raitenaus nicht nur als Kulisse,sondern wie eine zweite Natur. Die Natur selbst ist hier ihre beste Für-sprecherin, sie bedarf keines Kommentars", vermerkt ein Reisehandbuch1855. Der Makel, daß das Land erst 1816 zu Österreich kam, ist längstvergessen, er taucht nur auf, wenn in bayerischen Heimatkreisen das Öster-reichertum Mozarts genealogisch und heimattreu angezweifelt wird oderwenn nach dem 1. Weltkrieg 90% der Salzburger für den Anschluß an dasDeutsche Reich stimmten- weswegen man solche Abstimmungen fürder-hin unterließ und woran man heute kaum noch denkt.