GERT KERSCHBAUMER, SALZBURG
Vom Heimatwerk des Lazarett- Gaues Salzburg zumTauriska- Kultursommer im Europa der Regionen
DAS HEIMATWERK DES LAZARETT- GAUES SALZBURG
Im Frühjahr 1938 flossen in einer zuvor unbekannten Größe Urlauber-ströme aus dem„ Altreich" in das Land Salzburg, in das Zentrum der,, verjudeten" Trachtenmode, der Sommerfrischen- und Festspielfolklore,die antisemitische Vereine und Medien, insbesondere der„ 1. Österreichi-sche Reichsverband für Alpine, Volks- und Gebirgs- Trachten- Erhaltungs-Vereine", der„ Antisemitenbund“ und„ Der eiserne Besen", seit den 20erJahren heftig attackierten.¹
„ Ein Jodler grüßt die neue Zeit
als Abschied von dem Jiddeln." 2
1938 wurde den Juden sowohl die Benutzung von Bädern als auch dasTragen von Trachten verboten.
,, Die einzige Tracht, die man solchen Typen zugestehen soll, isteine Tracht Prügel!" ³
Während die Juden schikaniert, deportiert oder vertrieben wurden, in-szenierten etliche Orte Begrüßungsfeiern für die deutschen Urlauber im,, Gau der guten Nerven“ 4. Auf festlich geschmückten Bahnhöfen, Straßenund Plätzen brachten Trachten- und Volksmusikgruppen zu Ehren der
1 Siehe Referat von Ulrike Kammerhofer- Aggermann und Alma Scope; deren Aufsätzein: Ein ewiges Dennoch. 125 Jahre Juden in Salzburg, hg. v. Marko M. Feingold,Wien 1993. Ausführliche Darstellung der Volkskultur und des Tourismus in der NS-Zeit in: Gert Kerschbaumer: Alltag, Feste und Feiern im Wandel: nationalsozialisti-sche Regie des öffentlichen Lebens und praktizierte Kulturen in Salzburg von 1938bis 1945. Diss. Salzburg 1986; gekürzte veröffentlichte Fassung: ders.: FaszinationDrittes Reich. Kunst Alltag der Kulturmetropole Salzburg. Salzburg 1988.2 Calafati: Salzburger Elegie. In: Kleines Volksblatt, Wien 22.6. 1938.
3 Völkischer Beobachter, Wien 30.6. 1938.
4 Salzburger Volksblatt, 3.3. 1939.