BERNHARD TSCHOFEN, WIEN
Die Seilbahnfahrt.
Gebirgswahrnehmung zwischen klassischer Alpenbegeisterungund moderner Ästhetik
für s. w.
,, Ich gleite, wie ein Vöglein fliegt,Durchs Sonnenmeer der Lüfte;
Auf Wald und Blumenauen liegt
Der Atem reiner Düfte;
Die Brust wird weit... der Blick wird hellFern ruht die Welt, ihr Leiden;
Ich trinke an der Gottheit Quell
Und ahne Ewigkeiten-." 1
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Die zweite Strophe des Gedichtes„ Pfänderfahrt" nimmt es voraus: VomGleiten und Fliegen soll hier die Rede sein, vom Blicken zumal und von er-ahnten Ewigkeiten. Das Interesse gilt den ästhetischen Dimensionen undsymbolischen Formen der Bergerfahrung, wie sie das Zeitalter der Seil-bahnen hervorgebracht hat. Daß damit ein wichtiges Kapitel einer Kulturdes Tourismus ausgebreitet wird, liegt in der Popularisierung des Alpener-lebnisses im 20. Jahrhundert begründet, daß damit aber gleichzeitig einspezifisch österreichisches Symbol zur Debatte steht, hängt mit der Rol-le zusammen, die dieses Land durch das gesamte Jahrhundert hindurchdem Fremdenverkehr in den Bergen, seiner Förderung und Entwicklung,zugedacht hat.
Dem beschränkten Raum entsprechend, werden sich die Ausführungenim folgenden nicht der gesamten Breite des Themenfeldes gleichermaßen
1 Irmgard Vischer: Pfänderfahrt. In: Festschrift zur Hauptversammlung des D. u. Oe.Alpenvereins in Bregenz. Herausgegeben von der Sektion Vorarlberg(= Beilage derVorarlberger Landes- Zeitung vom 30. August 1935), S. 24. Vgl. die erste Strophe:„ Zu meinen Füßen wogt der See/ Von Silber überronnen./ Ich gleite auf zur stillenHöh/ Das Tal ruht dunstumsponnen;/ Die Gipfel aber heben frei/ Und stolz dieFelsenstirnen/ Als ob ein göttlich Leuchten sei/ Auf ihren lichten Firnen."