Druckschrift 
Tourismus und Regionalkultur : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1992 in Salzburg
Entstehung
Seite
57
Einzelbild herunterladen
 

REGINA BENDIX, PHILADELPHIA

Zur Problematik des Echtheitserlebnisses in Tourismusund Tourismustheorie

ZUR EINFÜHRUNG

Das Versprechen, Echtes oder Authentisches zu erfahren, lockt in den un-terschiedlichsten Tourismusangeboten.¹ Eine englische Reisegepäckfirma,Marke Ranger", wirbt für ihr Produkt mit dem Motto: Für Ihren Kom-fort haben wir uns diese Taschen in der authentischsten Tradition vorge-stellt." 2 Eine Gruppe aus München lädt zur Teilnahme am Tanzseminarin Bulgarien ein:

hervorragend

,, Asparouhovo ist ein idyllisches, altes Dorf,dafür geeignet, die Ferien auf interessante und ungewöhnlicheArt zu verbringen.... die Unterbringung erfolgt in romantischenHäusern alten Stils.... Außerdem ein Fest im Dorf mit einerauthentischen Folkloregruppe( Preisträger von Koprivschtiza)."

<< 3

1 Diese erweiterte Fassung des Tagungsreferats vom 15. Juni 1992 in Salzburg ist zu-gleich auch Teil meiner größeren Forschungsarbeit zum Thema Der Diskurs zurAuthentizität in der deutschen Volkskunde und amerikanischen Folkloristik". DieArbeit wird durch ein Förderungsstipendium der Schweizerischen Geisteswissen-schaftlichen Gesellschaft( 1991-92) und ein John Simon Guggenheim Fellowship( 1992–93) unterstützt. Alle Übersetzungen aus dem Englischen stammen von mir.Der vorliegende Beitrag sucht im übrigen die anglo- amerikanische Literatur einzu-beziehen, um sie dem deutschsprachigen Publikum näherzubringen. Dank gebührtlic. phil. Roland Inauen, Appenzell, der einen Entwurf des Artikels durchgearbeitethat, sowie John Bendix, der stets wieder neue Beispiele aufstöbert.Werbekampagne vom Februar 1992: For your comfort we imagined these bags inthe most authentic tradition". Die Reklame setzt den letzten Satzteil graphisch ab.Semantisch ist interessant, daß to imagine" auch als, sich einbilden" verstandenwerden kann und somit die Pseudoauthentizität dieser Taschen bereits preisgibt.3 Flugblatt aus München vom März 1992. Allein dieser Paragraph strotzt bereits vom,, Vokabular der Authentizität", mit Wörtern wie idyllisch, romantisch, alt, unge-wöhnlich etc. Wie sehr dieses Werbevokabular auch Teil der Geschichte der Volks-kunde ist, wird in der oben erwähnten größeren Arbeit untersucht.

2