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Tourismus und Regionalkultur : Referate der Österreichischen Volkskundetagung 1992 in Salzburg
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221
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HELMUT RIEDL, SALZBURG

Fremdenverkehrsgeographische Prozesse in Griechenlandund ihre Beziehung zu Raumdisparitäten

1. FREMDENVERKEHRSGEOGRAPHISCHE LEITLINIEN

Griechenland folgt nur in großem Abstand den Hauptzielländern des Tou-rismus der Mittelmeerländer. Die Hauptzielländer sind Italien und Spani-en sowie Frankreich, dessen internationaler Fremdenverkehr mit 40-50%der Mittelmeerregion des Landes zuzurechnen ist( Renucci 1989: 7). Pro-blematisch für Griechenland ist die Diskrepanz zwischen der Zahl derAnkünfte und dem Volumen der Einnahmen. In der Zeit 1979-1984 stag-nierte der Fremdenverkehr bei einer jährlichen Besucherzahl von rund 5,5Mill. Personen. 1988 besuchten das Land 8,231 Mill. ausländische Touri-sten, wobei der Anteil des inländischen Tourismus an den Fremdenüber-nachtungen nur 25% betrug. Die Einnahmen aus dem Fremdenverkehrwaren bis 1981 im Steigen begriffen. 1988 und 1989 verzeichneten dieEinnahmen zwar einen Anstieg( 2,3 Mill. US$, bzw. 2,4 Mill US$) undkonnten 32% des Handelsbilanzdefizites decken, wobei sie 5,8% des Brut-tosozialprodukts betrugen( NZZ, 18. 10.89). Trotzdem ergibt sich keineSteigerung der Prokopfeinnahmen. Hiefür stellen mangelnde Qualität derLeistungen und fehlende Ausbildung des Personals nur ein Bündel vonUrsachen dar. Andere wesentliche Ursachenkreise liegen in strukturell-geographischen Sachverhalten, nämlich in den disparaten Rauminan-spruchnahmen des Tourismus und in den Ungleichgewichten der Infra-struktur, worin sich die räumlichen Ungleichgewichte der gesamten Lan-desentwicklung spiegeln. Hinzu kommt in jüngster Zeit, daß in Nordgrie-chenland, besonders im Bereiche der Fremdenverkehrsregion der Chalki-dike, wegen des Golfkrieges und der Ereignisse im ehemaligen Jugoslawiender Tourismus empfindliche Rückschläge in Kauf nehmen mußte. Im Juli1991 betrugen diese in Nordgriechenland nach Maßgabe landschaftlicherDifferenzierungen 9-25%( NZZ, 18.9.91). Bereits 1991 sind die Devisenaus dem Reiseverkehr auf demselben Niveau geblieben wie 1990( NZZ,10. 10.91). Hingegen war in den ersten acht Monaten des Jahres 1990 imVergleich mit dem entsprechenden Abschnitt des Jahres 1989 eine Zu-nahme der Einkünfte aus dem Tourismus um 30% registriert worden.