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WOLFGANG MEIXNER, INNSBRUCK
dass es etwas gar zu viel Cultur in die Berge bringt.“Aspekte der Bewertung des frühen Fremdenverkehrs in Tiroldurch Gäste und Einheimische
„ Das Fremdenwesen in Tirol ist eine vollendete Thatsache, die niemandmehr aus der Welt schaffen kann. Man betrügt sich, wenn man glaubt, essei nur eine vorübergehende Mode."
Diese Zeilen finden sich nicht in einer ökonomischen Abhandlung zuden segensreichen Auswirkungen des Fremdenverkehrs in Tirol, sie stam-men auch nicht aus der Feder eines begeisterten Reiseschriftstellers, siestehen am Beginn der„ Aphorismen über das Fremdenwesen“, die 1889 inder 1. Nummer des 1. Jahrganges des Brixener Priester- Conferenz- Blatteserschienen sind.
Es mag überraschen, diese Worte in einer klerikalen Schrift zu finden,aber es war die ausdrückliche Meinung des nicht näher bekannten Autors,daß sich nicht bloß die Socialökonomie, sondern auch die Pastoral" mitdiesem Phänomen zu beschäftigen hätte, denn für Tirol sei„ die Zeit derIsoliertheit... auf immer vorüber".1
Die hier wiedergegebene Ansicht wurde allerdings nicht von einem Ver-treter der damals herrschenden konservativ- klerikalen Landtagsmehrheitgeäußert. Die Tiroler Konservativen standen nach wie vor sämtlichen,, Neuerungen“ und„ Modernisierungen“ ablehnend gegenüber. Sie lehntenjegliche Form des Fremden ab. Suspekt waren ihnen sowohl auswärtigeFabriksgründer und ins Land kommende Arbeitskräfte als auch die er-sten Touristen, die zwar nur für ein paar Tage oder Wochen das Landbesuchten, aber stets die Gefahr in sich bargen, fremde Ideen und Wert-haltungen ins Tiroler Volk zu bringen. Um dies zu verhindern, betriebendie Konservativen eine Politik, die geprägt war von der Ausgrenzung des,, Fremden“ und„ Neuen“. Ihr politisches Handeln blieb orientiert an derAufrechterhaltung überholter Positionen( Stichwort„ Kulturkampf“ 2).
1 ,, Aphorismen über das Fremdenwesen". In: Priester Conferenz- Blatt, Jg. 1, Nr. 1( 1889), S. 79f., hier S. 79.
2 Zu diesem Streit zwischen den Konservativ- Klerikalen und den Liberalen um dieHoheit in Schul- und Ehefragen sowie der Gewerbegesetzgebung vgl. Josef Fontana:Der Kulturkampf in Tirol. Bozen 1978, zur Gewerbegesetzgebung insb. S. 86.