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Ein eigenartiger Beruf.

( Von Rudolf Schmaus)

Als mein Hausherr in einem oberpfälzischen Städtchen nichtweit von hier( von Cham) hoffnungslos auf dem Sterbebettelag, fanden sich die Hausbewohner und die Leute aus der Nach-barschaft an dem Lager des Sterbenden ein, um ihre Anteilnah-me zu bezeugen.So gebot es der alte Brauch.Laut gebetet wur-de nicht, dies geschieht erst immer, wenn der Tod eingetretenist. Da erschien ein Mann, trat zu dem Sterbenden, spreizte dieFinger seiner rechten Hans so weit als möglich von einander,fuhr im Kreise dicht über dessen Gesicht herum und sagte mitklagender Stimme die Schluszworte des Ave Maria:» Jöitzt undin der Stunde unseres Absterbens, Amen!» Jedesmal in einemhöheren, wimmernden Tone wiederholte er dreimal diese Worte.So oft der Sterbende die Augen öffnete, überspritzte er seinGesicht mit Weihwasser. Als der Tod nicht eintrat, verlieszder Mann das Zimmer und sagte:» Hot no nix angriffa!" Aufmein Befragen wurde mir die Auskunft, dasz das ein sogenann-ter Tot beter sei, der von den Angehörigen gerufen wer-de, um den Sterbenden die Qualen des Todeskampfes abzukürzen.Wahrscheinlich besteht dieser sonderbare Brauch auch in an-

deren Gegenden.

( Aus» Das Chamberich», Blätter für heimatliche Unterhaltungund Belehrung. Beilage des Chamer Tagblattes.Nr.46 vom 1/11.Mai 1926.Shriftleiter: Johann Brunner, Studiendirektora.D.Cham)

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