242
tung bei Wetzer und Welte, das Volto santo stelle auch diesen Spielmanndar, ist unrichtig).
Bolte und Polívka, die in ihrer Ausgabe der Anmerkungen zu denKinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, Leipzig, 1913 f., die Stelleaus Boncompagnos Rhetorica antiqua abdrucken( III, 242) und anschlie-send eine Reihe von bildlicher Darstellungen der Geigerszene samt derzugehörigen Literatur erwähnen, geben auch eine ausführliche Bibliographiezu der Legende von der hl. Kümmernis, ohne der Sv. Starosta in derPrager Loreto- Kirche zu vergessen; als Zeit der Entstehung dieser Legendenehmen sie das fünfzehnte Jahrhundert an, wie denn auch das Kirchen-lexikon feststellt, daß die deutschen Kalender vor dieser Zeit eine hl. Kümmer-nis nicht kennen.
Aber die alten Fassungen der Legende berichten, ebenso wie dielucchesische Tradition, nur von einem einmaligen Geschenke; von einerVerdächtigung des Beschenkten weiß weder der Chronist von Schuttern, dervon der figura s. virginis Cumini erzählt, noch die Wünschelruthevon Praetorius, die Quelle der 330. der Grimmschen Deutschen Sagen.Augenscheinlich ist es erst das 1700 in Salzburg erschienene Ovum paschalevon Andreas Strobl, wo das Standbild der hl. Liberata dem armen Geiger,der zur Richtstatt geführt wird, auch den zweiten goldenen Schuh hinwirftund so seine Unschuld an den Tag bringt. In Kümmernis haben dann dieseHeilige die Brüder Grimm umgekauft, als sie die Geschichte des StroblschenOstereis 1812 in ihre Märchensammlung aufnahmen( in den spätern Aus-gaben ist sie gestrichen); die hl. Caecilia wieder führt Justinus Kerner indem Gedicht Der Geiger von Gmünd( 1816) ein, obwohl noch 1852 ErnstMeier( Deutsche Sagen, Sitten und Gebräuche aus Schwaben, I, 44) nachmündlicher Mitteilung aus Gmünd das Doppelwunder der Mutter Gotteszuschreibt( so wie G. Görres in dem Gedichte Der arme Spielmann) undseiner Geschichte die Merke beifügt, noch vor zwanzig Jahren habe in dieserMarienkapelle zwischen Gmünd und Gotteszell ein Bild gehangen, das denzum Tode verurteilten Geiger im roten Mantel darstellte, wie er von derMadonna mit dem zweiten Pantoffel beschenkt wird.
Dieses zweite Wunder, diese Verdoppelung des Wunders entspringt,seltsam zu sagen, dem Rationalismus, der sich gegen den Glauben an einWunder sträubt, und von derselben Ratio geht auch die spanische Behördeaus, die aus dem Mangel einer solchen Bestätigung des Wunders schließt,daß dieses nicht bestanden hat. Den Preußenkönig läßt die Sage zwar
67