Wer eine Reise, wer auch nur einen Spaziergang fut, kann etwaserzählen, und das darf natürlich auch, wer sich in Mitten dieser Gebietewagt oder sich an ihren Grenzen ergeht. Es müssen nicht immer gewaltigeEntdeckungen sein, die man da gemacht hat; auch unscheinbare Dinge, diesich schon bei einem flüchtigen Blicke in den Garten des Nachbars enthüllen,haben einen Wert, wenn sie ermöglichen, die Kette der Abhängigkeiten umein Glied zu bereichern. Gar viele reisen so dahin, die meisten hoch zu Rosseund mit schwerem Gepäck, und so trifft man Genossen, oder man stößt aufSpuren, die einer hinterlassen, dem schon kein Knochen mehr wehtut; nutzbarzu machen aber ist alles, und töricht wäre, wer den schon gebahnten Wegverschmähen und lieber nebenher ziehen wollte. Oft allerdings wird esnotwendig sein, zu prüfen, ob nicht der Vorgänger von der Art jenerLandfahrer gewesen ist, die von hohen Zinnen und tiefen Abgründenberichten, während in Wirklichkeit der Weg über eine glatte Ebene zu leichterreichbarem Ziele führt, und hin und wieder wird sich herausstellen, daßdas schwer behangene und prunkvoll gezäumte Roß Hindernisse umgangenhat, über die der Leichtfuß des Steckenpferds spielend hinwegsetzt.
Die folgenden Auffäße sind keineswegs Schilderungen kühner Forscher-reisen; sie sind nur anspruchslose Berichte über gelegentliche Ausflüge indas alte romantische Land, wo der Lokus unter der Eiche blüht und überder Moschee das Kreuz erglänzt, in das Land der anscheinenden Unmög-lichkeiten und der unmöglichen Wahrscheinlichkeiten, in die riesige Werk-statt des Menschengeistes, die jedem, der lesen will, offen steht und ihm dasErlesene schenkt.
Prag, Ostern 1928.
VII
Albert Wesselski.