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Emotional turn?! : europäisch ethnologische Zugänge zu Gefühlen & Gefühlswelten : Beiträge der 27. Österreichischen Volkskundetagung in Dornbirn vom 29. Mai - 1. Juni 2013
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JENS WIETSCHORKE

Affective Spaces. EmotionstheoretischeÜberlegungen zum Kirchenraum

Der vorliegende Beitrag zum Tagungsthema Emotional Turn ist aus dem Zu-sammenhang meines Habilitationsvorhabens zur politischen Kulturgeschichtekatholischer Kirchenräume in Wien hervorgegangen.' Seltsamerweise sind Kir-chenräume trotz einer neuerdings verstärkten Auseinandersetzung mit Fragenvon Raum und Architektur aus sozial- und kulturwissenschaftlicher Sicht nochimmer ein stark vernachlässigtes Thema. Neben einer nahezu unüberschauba-ren Forschungsliteratur aus kunstgeschichtlicher und aus theologischer, litur-giewissenschaftlicher und religionspädagogischer Sicht liegen nur wenige Stu-dien vor, die den Kirchenraum dezidiert als einen sozialen Raum in den Blicknehmen-² und das gilt auch für die Volkskunde, die sich zwar mit populären re-ligiösen Praktiken beschäftigt, aber dabei keine ethnografische oder kulturana-lytische Perspektive auf den Kirchenraum im engeren Sinne entwickelt hat.³ In

1 Vgl. Jens Wietschorke: Kirchenräume als Medien des Sozialen. Ein Grundriss zur politischenKulturgeschichte und kulturwissenschaftlichen Raumanalyse. Wien 2015( Habilitations-schrift).

2

Vgl. etwa Will Coster, Andrew Spicer( Hg.): Sacred Space in Early Modern Europe. Cambrid-ge 2005; Renate Dürr: Politische Kultur in der Frühen Neuzeit. Kirchenräume in Hildeshei-mer Stadt- und Landgemeinden 1550-1750. Heidelberg 2006; Jeanne Halgren Kilde: SacredPower- Sacred Space. An Introduction to Christian Architecture and Worship. Oxford 2008;Anna Körs: Die gesellschaftliche Bedeutung von Kirchenräumen. Eine raumsoziologischeStudie zur Besucherperspektive. Wiesbaden 2012. Vgl. auch meinen knappen Versuch: JensWietschorke: Die symbolische Ordnung sakraler Räume. Eine Skizze zur visuellen und poli-tischen Kulturgeschichte. In: Marion Meyer, Deborah Klimburg- Salter( Hg.): Visualisierun-gen von Kult in historisch- kulturwissenschaftlicher Perspektive. Wien, Köln, Weimar 2014,S. 294-318.

3 Eine schöne Ausnahme bildet die kleine Kirchenraumanalyse von Gottfried Korff: Maria inder technischen Welt. In: Utz Jeggle u.a.( Hg.): Tübinger Beiträge zur Volkskultur. Tübingen1986, S. 195-219. Ethnografische Annäherungen an den Kirchenraum bietet die Studie vonAlexandra Kaiser: In der Kirche im Dorf. Eine ethnographische Studie zur Sinnlichkeit desprotestantischen Kirchgangs. Saarbrücken 2008. In einer kleinen Serie von Beiträgen habeich das Programm einer kulturwissenschaftlichen Kirchenraumanalyse bereits erprobt: JensWietschorke: Sakraler Raum, Politik und die Ordnung der Heiligen. Ein Rundgang durch dieWallfahrtskirche Mariahilf in Wien. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde LXIV/ 113,2010, H. 3/4, S. 657-677; Ders.: Nationale Selbstheiligung und politische Kultur im 19. und20. Jahrhundert. Die Wiener Votivkirche. In: Österreichische Zeitschrift für VolkskundeLXV/ 114, 2011, H. 1, S. 53-73; Ders.: Apotheose des Kleinbürgertums. Die Versorgungs-heimkirche in Lainz. In: Österreichische Zeitschrift für Volkskunde LXVII/ 116, 2013, H. 3/4,S. 431-448.

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