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Emotional turn?! : europäisch ethnologische Zugänge zu Gefühlen & Gefühlswelten : Beiträge der 27. Österreichischen Volkskundetagung in Dornbirn vom 29. Mai - 1. Juni 2013
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MARTINA RÖTHL

,, Ein bisschen falsch sein muss man ja!"Logiken der Gastlichkeit als emotionale Vorgaben

Die sind das neunte Mal, das ist eine Gruppe, die sind das neunte Mal aufSkiurlaub gefahren und jedes Mal, jedes Jahr fahren sie woanders hin. Aberbei uns haben sie für nächstes Jahr schon wieder gebucht.[ MR: Das tutauch gut?] Ja, das ist, ja, also das freut mich dann, wenn da, das waren ein-fach Leute, da hat die Chemie gestimmt. Ich hab ein bissl, ich bin nicht...letztes Jahr bei dem bei dem Workshop in Innsbruck also da hat es ge-heißen, wie man sein soll: freundlich, aber nicht zuckersüß! Ich bin nichtzuckersüß! Und wenn ich jemanden absolut nicht mag, ich glaub, dass derdas spürt. Ein bissl... ein bisserl falsch sein muss man ja, aber ich kannnicht, so wie das andere, das ist für mich Prostitution.'

Diese hier als Einstieg verwendete Interviewsequenz mit Maria Neuner ausdem Zillertal stammt aus der Materialbasis zu meinem Forschungsprojekt zurTiroler Privatvermietung.² Menschen, die sich durch die Vermietung von Zim-mern und Ferienwohnungen einen häuslichen Nebenerwerb erwirtschaften,stehen exemplarisch für die Bereisten eines hochfrequentierten touristischenRaums nämlich Tirol. Die Forschungsarbeit zielt darauf ab, eine Annäherungdaran vorzunehmen, wie Bereist- Sein auf Individuen wirkt bzw. welche Subjek-tivierungsprozesse sich entlang des Phänomens vollziehen können. Emotionen- und in diese Richtung verweisen die Ergebnisse stark- spielen bei der Aneig-nung von Subjektivität eine sehr entscheidende Rolle. In dem mit Frau Neunergeführten Interview wurde zunächst deutlich, dass es für das positive Selbstbildder Vermieterin ganz z zentral ist, dass Gäste zufrieden sind und wiederkommen.Den diesbezüglichen Erfolg knüpfte sie unmittelbar an Gefühle bzw. an die vonihr geleistete Emotionsarbeit. Im Hinblick auf den Umgang mit Gefühlen schei-nen relativ klare Konzepte zu existieren, an denen Bereiste sich orientieren.

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Martina Röthl: Interview/ 4 mit GN( Jg. 1957), geführt am 15.3.2011 in Fügen.

Es handelt sich dabei um meine Dissertationsforschung. Vgl. Martina Röthl: TirolerPrivat( zimmer) vermietung, Tourismus als Dispositiv und die Aneignung von Subjektivität.Innsbruck 2015( Diss.). Die Dissertation entstand am Institut für Geschichtswissenschaftenund Europäische Ethnologie( Leopold- Franzens- Universität Innsbruck[ LFU]) und wurdegefördert vom Vizerektorat für Forschung( LFU), dem Tiroler Wissenschaftsfond und derÖsterreichischen Akademie der Wissenschaften.

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