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Emotional turn?! : europäisch ethnologische Zugänge zu Gefühlen & Gefühlswelten : Beiträge der 27. Österreichischen Volkskundetagung in Dornbirn vom 29. Mai - 1. Juni 2013
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CORNELIA RENGGLI

Wir können nicht nicht fühlen.

Fühlstile in den Kulturwissenschaften

Emotionen sind auch in den Kulturwissenschaften

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ein beliebter For-

schungsgegenstand geworden. In vielen Bereichen werden sie inzwischen er-forscht. Ein Feld, das bislang wenig Berücksichtigung gefunden hat, sind dieWissenschaften selbst. Untersuchen Forscher/ innen wohl das Gefühlslebenanderer Personen, so stellen sie sich selten der Frage, wie sie es mit den Ge-fühlen haben. Diese Gretchenfrage bildet den Ausgangspunkt des vorliegendenBeitrags. Es handelt sich dabei um eine Feldforschung, in der die ForscherinTeil des zu untersuchenden Feldes ist und die gängigen Werkzeuge verwendet,um ihre Position zu reflektieren. Eine Auslegeordnung des Instrumentariumssteht daher am Beginn des Beitrags. Auf dieser Grundlage werden anhand einesbeispielhaften Textes und ergänzender Literatur Fühlstile in den Kulturwissen-schaften ermittelt.

1 Analytischer Ansatz

Mein analytischer Ansatz bezieht sich auf Michel Foucaults Verfahren desZum- Ereignis- Machens: Dieses besteht zunächst aus einem Durchbrechen derSelbstverständlichkeiten: Dort wo man versucht wäre, sich auf eine histori-sche Konstante zu beziehen oder auf ein unmittelbar anthropologisches Merk-mal, oder auch auf eine Evidenz, die sich allen auf die gleiche Weise aufdrängt,geht es darum zu zeigen, dass es gar nicht so notwendig war, dass..." Danngilt es ,,, die Zusammenhänge[...] wiederzufinden, die zu einem bestimmtenZeitpunkt dasjenige formierten, das anschließend als Evidenz, Universalitätoder Notwendigkeit fungieren sollte." Vereinfachend und verallgemeinerndgehe ich davon aus, dass unser Leben aus unzähligen Ereignissen besteht, diewir fortwährend auf vielfältige Weise miteinander verknüpfen. Um nicht inständiger Kontingenz zu leben, nehmen wir diese Beziehungen nicht als her-gestellt, sondern als gegeben an. Diese Selbstverständlichkeiten gilt es in einerAnalyse zu durchbrechen, um mehr über das Schaffen von Verbindungen zu

1 Michel Foucault: Diskussion vom 20. Mai 1978. In: Daniel Defert, François Ewald, JacquesLagrange( Hg.): Michel Foucault. Schriften in vier Bänden( Bd. 4 1980-1988). Frankfurta.M. 2005, S. 25-43, hier S. 29.

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Ebd., S. 30.

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