lich das wesentlichste Element der Wäscheständer, erläuterte eine Frau um die60, die vier mittlerweile erwachsene Söhne hat. Man verbringe ja mit so vielenLeuten im Haus viel Zeit mit der Wäsche, und da draußen könne man dannsehen, wer vorbeikommt, oder rausgehen, wenn man hört, dass die Nachba-rin auch gerade Wäsche aufhängt.51 Kommunikation spielt sich im Stiegenhausalso vor allem im Zuge alltäglicher Nutzungen, in Verbindung mit Hausarbeitab. Damit wird etwas bekräftigt, was auch sonst in vielen Interviews explizitreflektiert wurde: die verbindende Rolle der Frauen für das Wohnprojekt, dieinsbesondere in der Anfangszeit als nicht berufstätige Mütter viel Zeit im Hausverbrachten und dieses gewissermaßen belebten.
Schlussfolgerungen
Das Stiegenhaus des Wohnprojektes wurde mit Blick auf eine bestimmte Funk-tion geplant, die über die Erschließung der Wohnungen hinausgeht, es sollteganz explizit, Raum für Begegnungen' bieten. Das äußert sich in einer spezi-fischen Architektur, die nicht nur die entsprechenden Flächen zur Verfügungstellt, sondern dem Raum auch durch Licht- und Sichtverhältnisse eine Quali-tät geben sollte, die zum längeren Aufenthalt anregt. Es sind dies zweifelsohnewichtige Bestandteile und Faktoren der Atmosphäre oder Stimmung, die derRaum entwickeln bzw. hervorrufen kann, raumbildend wirken aber darüberhinaus auch die materielle Aneignung des Stiegenhauses durch die Bewohner/innen sowie das Agieren dieser in diesem Raum. Hier zeigt sich, dass ein Teildes Wohnens ins Stiegenhaus verlagert wird, was für die Bewohner/ innen, et-was Verbindendes' ist, wodurch allerdings der Raum so weit, privatisiert wird,dass seine Zugänglichkeit( als emotionale Qualität) für Außenstehende einge-schränkt ist. Diese spezifische Position des Raumes im Spektrum von öffentlichund privat ist aber, wie sich gezeigt hat, immer wieder Aushandlungssache undhängt nicht nur von der Gestaltung des Raumes, sondern auch von den konkre-ten Aktivitäten, die darin stattfinden, ab. Wie hier ein spezifischer, alltagsrele-vanter Raum geschaffen wird, kann also insbesondere durch ein Raumkonzepterschlossen werden, das sowohl die Merkmale des geplanten und gebautenRaumes, also der Architektur, berücksichtigt, die in raumsoziologischen Un-tersuchungen mitunter eher vernachlässigt werden, 52 als auch das alltägliche, Platzieren von sozialen Gütern', womit sowohl Möbel und andere Gegenständegemeint sind als auch das Handeln von Menschen.
Architektur kann also durchaus einen Beitrag zur, Atmosphäre der Interak-tion' leisten, indem sie bestimmte Möglichkeiten schafft, bis ins Letzte planbar
51 Hausführung mit Eva- Maria Pohl, 53, Gymnasiallehrerin, vom 25.3.2013, S. 2.52 Vgl. Löw( wie Anm. 13), S. 160.
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