und sie auch als solche anerkennt. Die Tatsache, dass die Motive, die Ver-wendung von Farbe und Form verständlich sind für die soziale Schicht derBevölkerung, die sie verwendet, gibt diesen Menschen ein Gefühl von Stolzund tiefer Zufriedenheit, das in ein Gefühl von Schönheit mündet. Hoffent-lich trägt auch jeder, der diese Ausstellung gesehen hat, dieses Gefühl mitsich nach Hause.43
Wilfried van Nespen hebt deutlich auf die mehrfache Gebundenheit von Ge-fühl und Wert ab: bei den Produzenten, den Beschenkten, den Betrachter/ in-ne/ n. Die Wirkung der Objekte ist mehrfach emotiv, was dem Thema, aber auchder Materialität der Objekte geschuldet ist. Damit offenbart sich ein weitererAspekt einer Wissenschaftsgeschichte des Emotionalen. Kulturelle und gesell-schaftliche Werte wurden einer materiellen Kultur implementiert. Die, Bau-ernkultur' wurde in ihren Objekten gesucht und gefunden. Diese Entwicklungist im letzten Drittel des 20. Jahrhundert ein spätes Echo der sogenannten„, lan-gen Jahrhundertwende", wie Uffa Jensen und Daniel Morat in ihrem 2008 er-schienenen Sammelband Rationalisierungen des Gefühls bereits konstatierten.44In diesen Zeitraum zwischen 1880 und 1930 fällt nicht nur die Trennung vonWissenschaftlichkeit und Emotionalität. Vielmehr findet fast parallel eine Ver-wissenschaftlichung des Emotionalen statt. Ludwig Fleck45 etwa beschäftigtesich mit der Rolle von Emotionen in der wissenschaftlichen Praxis. Zeitgleichfragten die Geistes- und Sozialwissenschaftler nach„ Bedeutung, Beschaffen-heit und Systematisierbarkeit von Emotionen“.46 Damit einher ging auch derProzess der Popularisierung von Wissenschaft.47 Gemeint ist damit die Veröf-fentlichung von Wissen und dessen Vermittlung an viele. Letzteres geschiehtschließlich durch Sammlungen, die einer breiten Öffentlichkeit zugänglich ge-macht werden. Diese Entwicklung setzt ein mit der Gründung von Vereinen,die nicht allein den Forschern, sondern ebenso interessierten Laien offenstan-den. Die Popularisierung von Wissen bedienten zudem die sogenannten Fami-lienzeitschriften. Sie erschienen seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundertsin teils hohen Auflagen.( Leipziger Illustrierte, Die Gartenlaube, Über Land undMeer, Ost und West).48 In Wechselwirkung mit den großen Welt- und Gewerbe-
43 Ebd., S. 16.
44 Vgl. Jensen, Morat( wie Anm. 1), S. 11.
45 Vgl. Ludwig Fleck: Entstehung und Entwicklung einer wissenschaftlichen Tatsache.Einführung in die Lehre vom Denkstil und Denkkollektiv. Frankfurt a. M. 1980.
46 Jensen, Morat( wie Anm. 1), S. 13.
47 Vgl. Andreas Daum: Wissenschaftspopularisierung im 19. Jahrhundert. Bürgerliche Kultur,naturwissenschaftliche Bildung und die deutsche Öffentlichkeit, 1848-1914. München 2002.48 Vgl. Andreas Graf: Die Ursprünge der modernen Medienindustrie. Familien- und Unter-haltungszeitschriften der Kaiserzeit( 1870-1918). In: Georg Jäger( Hg.): Geschichte desdeutschen Buchhandels im 19. und 20. Jahrhundert. Bd. 1: Das Kaiserreich 1871-1918, Teil 2.Frankfurt a.M. 2003, S. 409-522.
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