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Emotional turn?! : europäisch ethnologische Zugänge zu Gefühlen & Gefühlswelten : Beiträge der 27. Österreichischen Volkskundetagung in Dornbirn vom 29. Mai - 1. Juni 2013
Entstehung
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nungsprozesse, die nicht nur, aber auch ein Effekt der Transformationen in Ost-deutschland nach 1989 sind, insbesondere ein Effekt der Reprivatisierung derKinderbetreuung. Sabine Theiss, die Tochter von Jutta Jahn, ist Mutter von dreiKindern und selbst eines von drei Geschwistern. Zwischen ihrer eigenen Erzie-hung und der, die sie ihren Kindern angedeihen lässt, liegen erklärtermaßenWelten. Sie spricht über ihren jüngsten Sohn, den sie im Vergleich zu anderenKindern für recht ängstlich hält:

Wenn man das jetzt nicht auch schon erkennt als Eltern und mit ein biss-chen beeinflusst, dann katapultiert er sich ja auch ins Aus, und das ist scha-de, da hat er ja als Erwachsener mehr damit zu tun, diese Ängste abzubauen.Und ich denke, das sind so Sachen, die sind in unserer vorhergehenden Ge-neration nie, also nur von wenigen so gesteuert oder aufgenommen worden.Das heißt ja, du musst erst mal so frei sein und eine Antenne dafür haben,das mitzukriegen, um dann entsprechend zu versuchen, geschickter dranzu arbeiten. Aber ich glaube, da wurde gar nicht bei uns hinterfragt oderdrauf geachtet, also weder bei Hauke noch bei meinen Eltern. Das war aucheinfach nicht die Generation, da hat man sich ja nicht so viel mit Erzie-hung auseinandergesetzt. Das sagt meine Mutter ja auch oft genug:, Was dudich mit Erziehung auseinandersetzt, was du jetzt immer alles so weißt, daswussten wir gar nicht. Das wurde eben so gemacht, wie alle das gemachthaben.24

Über den generationellen Vergleich betont Sabine Theiss ihr Gespür als Mutterfür das Befinden und die Bedürfnisse ihres Sohnes. Während sie eine Antenne"für ihre Kinder und deren Stimmungen und Probleme habe und an ihren eige-nen Erziehungstechniken, arbeite', habe sich ihre Mutter kaum mit Erziehungauseinandergesetzt. Das Zitat verdeutlicht zugleich die Verbindung zwischender Professionalisierung und neuen emotionalen Regimen des Mütterlichen.

Zunächst ist mit der Professionalisierung des Mütterlichen ein bestimmtesWissensregime verbunden. Entscheidend ist, dass die Nachwendemütter in die, richtige Erziehung spezifisches Wissen und viel Engagement investieren. Ex-pertenwissen wie auch der mediale Diskurs, also der exponentiell wachsendeMarkt der Elternratgeberliteratur und Fernsehsendungen, bilden dabei einenwichtigen Orientierungsrahmen, nicht zuletzt auch für die Ausbreitung psy-chologischer Ideen und die Ausarbeitung emotionaler Normen". 25 Auch in von

Kirchhöfer geht davon aus, dass diesen Praktiken kein defizitäres Rechtsbewusstsein vonEltern und der Gesellschaft zugrunde lag, sondern ,, Eltern handelten so, als ob mit ihrenKindern vollwertige Rechtssubjekte agieren würden und die Gesellschaft ihre elterlich- recht-liche Verantwortung nicht abfordern würde." Ebd.

24 Interview mit Sabine Theiss, Jg. 1968, drei Kinder, Tagesmutter, am 29.8.2007.

25 Eva Illouz: Gefühle in Zeiten des Kapitalismus. Frankfurt a.M. 2006, S. 20.

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