Druckschrift 
Emotional turn?! : europäisch ethnologische Zugänge zu Gefühlen & Gefühlswelten : Beiträge der 27. Österreichischen Volkskundetagung in Dornbirn vom 29. Mai - 1. Juni 2013
Entstehung
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Da bin ich mit meinem Mann, als Thomas noch klein war, da hat mal je-mand dann geguckt, der im Hause war. Wenn mal jemand weggehen wollte,der hatte seinen Schlüssel beim Nachbarn deponiert, und die sind dann im-mer zwischendurch gucken gegangen. Das war so eine Absprache innerhalbdes Hauses. Wir sind sechs Familien gewesen und davon waren wir mit dreiMann, äh drei Familien mit kleinen Kindern. Und dadurch hat sich das ei-gentlich ergeben so. Wenn wir jetzt freitags oder sonnabends mal weggehenwollten, da haben wir bloß Bescheid gesagt, haben unseren Schlüssel abge-geben, und die sind dann immer zwischenzeitlich gucken gekommen. Unddie Kinder wussten auch, Thomas und nachher Boris, die wussten, wennirgendetwas ist, kann ich überall klingeln. Ja und da gab es eigentlich, da-durch ist es eigentlich auch nicht so gewesen, dass man nun so angebunden

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Zur spezifischen Mütterlichkeit in der DDR gehörte die hohe Selbstverständlich-keit, die Kinder anderen anzuvertrauen, sowie die Kinderbetreuung, Bildungund zum Teil auch Erziehung an öffentliche Einrichtungen zu delegieren. So-dann strukturierte die Norm der Erwerbstätigkeit den Alltag und das Selbstver-ständnis der DDR- Mütter ganz wesentlich, wie sich in den Interviews immerwieder zeigte. Die Grenzen des Mütterlichen wurden auch von einem be-schwerlichen Alltag abgesteckt. So bedeutete kompetente Mütterlichkeit unterden Bedingungen von zumeist berufsbedingter Zeitknappheit und zeitintensi-ver Bewältigung des Alltags, dass die Kinder versorgt waren und dass es keineProbleme" gab. Im Rahmen der vergesellschafteten Kindheit und der umfang-reichen Delegation der Kinderbetreuung waren Kinder keine ausschließlichmütterliche Aufgabe. So entsprach der staatlichen Kindzentrierung in der DDRein vergleichsweise pragmatischer mütterlicher Stil.

Zur Professionalisierung des Mütterlichen

- Neue Wissensregime und Fingerspitzengefühl❝

Die Ende der 1960er- und in den 1970er- Jahren geborenen Nachwende- Mütterbekamen ihre Kinder um die Jahrtausendwende. Kompetente Mutterschaft be-deutet nun veränderte Ansprüche an Mütterlichkeit und neue Standards vonElternwissen. Die Professionalisierung von Mütterlichkeit verweist auf Aneig-

Pflichten" stand. Vgl. Dieter Kirchhöfer: Alltägliche Lebensführungen von Kindern in derDDR- Arrangements zwischen Traditionalität und Modernisierung. In: Evemarie Badstüb-ner( Hg.): Befremdlich anders. Leben in der DDR. Berlin 2000, S. 271-299, hier S. 276.23 Ingrid Vogel( wie Anm. 14). Rein rechtlich galten in der DDR ebenso wie in der Bundesre-publik Bestimmungen zu Aufsichtspflicht und Haftbarkeit von Eltern. In den alltäglichenPraktiken wurde damit jedoch, wie beschrieben, nicht selten spielerisch verfahren. Dieter

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