verlaufenden Methodenübungen stammten. Im Veranstaltungstitel deutet sicheine Spezifik an, die den Deutungswerkstätten während der Tätigkeit Nadigs ander Universität Bremen, die 2013 endete, innewohnte und die an die ethnopsy-choanalytischen Studien der Parins und Morgenthalers sowie Georges Dever-eux' anknüpft, mit dem Nadig in einem intensiven Austausch stand: Nicht in je-dem Fall, aber häufig genug wurde die reflexive Methodik auf die Untersuchungkultureller Phänomene angewandt, die durch stark psychische, somatische undauch gesundheitliche Aspekte gekennzeichnet waren. So befasste sich das ersteLehrforschungsprojekt, das Nadig Anfang der 1990er- Jahre in Bremen leitete,mit der Arbeit freiberuflicher Hausgeburtshebammen. Und auch die heute be-kannteste Studie der Bremer Ethnopsychoanalyse, Ute Metjes Ethnografie übereine von Drogenkonsum und Prostitution geprägte lebensweltliche Szene vonMädchen und jungen Frauen am Hamburger Hauptbahnhof, verbindet einensolchen inhaltlichen Fokus mit der Methodik der Deutungswerkstatt zur Aus-wertung des Feldmaterials. 25
Graz
Am Institut für Volkskunde und Kulturanthropologie der Karl- Franzens- Uni-versität Graz besteht seit Januar 2013 eine Deutungswerkstatt. Geleitet von Jo-chen und angestoßen von Katharina stellt sie einen Versuch dar, die beidengeschilderten Traditionen zusammenzuführen( was analog auch der Schrägs-trich im Titel dieses Beitrags anzeigt). Aus der Diskussion und Kombination dersupervisorischen/ ethnopsychoanalytischen Tübinger und Bremer Erfahrungenresultieren nicht nur die Deutungsmethodik, sondern auch organisatorischeRahmenbedingungen. Angesichts der in Graz gegebenen Einbindung in das In-stitut schien es wichtig, die Gruppe dennoch so unabhängig wie möglich vomUniversitätsbetrieb zu halten, zum Beispiel dadurch, dass sich die Gruppe auchaußerhalb der Semesterzeiten trifft und die Teilnehmer/ innen die Deutungs-werkstatt selbst mitfinanzieren. Außerdem erschien eine externe Gruppenlei-tung, die nicht in institutionelle Beziehungs- und Hierarchiegeflechte vor Orteingebunden ist, unabdingbar.
Im Jahr 2013 bestand die Grazer Deutungswerkstatt aus fünfzehn Teilneh-mer/ inne/ n, die sich über das Kalenderjahr verteilt sieben Mal für jeweils einen
25 Vgl. Ute Marie Metje: Zuhause im Übergang. Mädchen und junge Frauen am HamburgerHauptbahnhof(= Reihe Transkulturelle Studien, 2). Frankfurt a.M., New York 2005. Zuweiteren Studien zählen u.a. Antje Krueger: Flucht- Räume. Neue Ansätze in der Betreuungvon psychisch belasteten Asylsuchenden(= Reihe Transkulturelle Studien, 6). Frankfurta.M., New York 2013; Andrea Lilge: Transkulturalität und interkulturelle Psychotherapie inder Klinik. Ethnopsychoanalytische Untersuchung eines stationären Behandlungskonzeptsfür Migranten. Gießen 2012.
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