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Emotional turn?! : europäisch ethnologische Zugänge zu Gefühlen & Gefühlswelten : Beiträge der 27. Österreichischen Volkskundetagung in Dornbirn vom 29. Mai - 1. Juni 2013
Entstehung
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problematisch jedoch für diejenigen, für die er nicht Kollege, sondern Professorund Betreuer war. 18

Experimentiert wurde in vielfacher Hinsicht, so zum Beispiel in der Wahlder Textsorten oder in einigen Versuchen, schriftliche und fotografische his-torische Quellen zu supervidieren. Diese, historischen' Supervisionen warenwechselhaft ergiebig. Auch hier konnte, wie Sabine Kienitz als ehemalige Teil-nehmerin anmerkt, die Gruppensupervision helfen, durch Reflexion Distanzzum Material herzustellen und Forschungsblockaden zu lösen. Für sie zeigtesich ,,, dass der Umgang mit Archivalien und historischem Material[...] nichtvoraussetzungslos ist und immer auf eine Befindlichkeit der Forscherin trifft,die durchdacht werden muss". 19 Zugleich aber fehlen historischen Quellenma-terialien die Interaktionsmöglichkeiten der Feldforschung; die Supervisionkann zwar emotionale Projektionen der Forscherperson aufgreifen, sie kannjedoch das Forschungsfeld nicht über die Gegenübertragungen aus Forschungs-beziehungen mit lebenden und reagierenden Personen zum Sprechen bringen.

2001 wechselte die Gruppenleitung, seither trägt und strukturiert die Tü-binger Psychologin und Balint- Supervisorin Brigitte Becker das gemeinsameAssoziieren und Deuten. Hatten bisher hauptsächlich Empirische Kulturwis-senschaftler und-wissenschaftlerinnen aus dem Ludwig- Uhland- Institut anden Supervisionen teilgenommen, so reisten nun immer mehr anderswo as-soziierte Forschende von immer weiter her an. Zunehmend stießen außerdemvor allem Pädagoginnen zur Gruppe. Die Inhalte und Arbeitsatmosphäre ver-änderten sich, die Arbeit wurde anwendungsorientierter und sozialwissen-schaftlicher. Über die Jahre verkleinerte sich die Gruppe schließlich auf einenbeharrlichen Kern von wenigen Kulturwissenschaftlerinnen. Lange Jahre gabes nur ein männliches Mitglied, dann keines mehr- was die Supervision jenach Thema um wesentliche genderspezifische Aspekte und Perspektiven är-mer macht. Um die Supervisionsgruppe insgesamt halten zu können, gab siesich ein bis heute gültiges Setting von drei ganztägigen Arbeitssitzungen proJahr, in die jeweils drei Fälle eingebracht werden. Einmal im Jahr öffnet sichder Kreis für Neuzugänge.

Bestimmend für die Dynamik, die Experimentierfreude und Motiviertheitder Arbeit dürften die mehr oder weniger prekären Arbeitssituationen der Teil-nehmenden gewesen sein, die sie zunehmend bewog, auch die eigenen aka-demischen und universitären Forschungs- und Arbeitsbedingungen mit zu re-flektieren. Vor diesem Hintergrund, aufgrund der sich wieder vergrößerndenSupervisionsgruppe und aus der Beobachtung wachsender innerfachlicher Re-

18 Vgl. Katharina Eisch: ,, 15 Uhr 30 betreten wir die Welt der Gefühle." Über den Lehrer UtzJeggle. In: Tübinger Vereinigung für Volkskunde( Hg.): Meine EKW. Utz Jeggle am Lud-wig- Uhland- Institut für Empirische Kulturwissenschaft. Wissenschaftliche Biographie undBibliographie. Tübinger Korrespondenzblatt 59, Februar 2008, S. 48-58, hier S. 57.

19 Sabine Kienitz, Emailkorrespondenz mit Katharina Eisch- Angus, 7.8.2014.

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