verhältnisse hinzutreten, wird es zudem schwierig, über Konsum oder lebens-stilbezogene Aktivitäten einen Ausgleich herzustellen. Während ein Teil derBetroffenen deshalb bis an seine Anspannungsgrenzen geht, um die erstrebtenGratifikationen zu erlangen, wählt ein anderer Teil den nachhaltigen Rückzugin spezifische Nischen des Konsums und Lebensstils oder die Entwicklung ela-borierter Techniken des Selbst. Ein weiterer Teil sucht Kompensation durchseine persönliche Teilhabe an Medienereignissen. Axel Honneth erkennt in dengenannten Strategien eine„ Verwilderung" der Anerkennungskämpfe. Danebenist beobachtbar, wie zum einen prekarisierte Randgruppen Aufmerksamkeitund Anerkennung- auch auf ethnischer Basis- gewaltsam einfordern, hinge-gen zum anderen von gesellschaftlich etikettierten Milieus( wie den Homose-xuellen) Ansprüche auf Anerkennung reinstitutionalisiert werden, um symbo-lische Anerkennung zu erfahren.28
Diese in widersprüchlicher Weise einerseits integrierenden, andererseitsdesintegrierenden Bemühungen offenbaren, welche Bedeutung Anerkennungals Produkt der sozialen Umwelt zur Herstellung stabilisierender Ich- Identitä-ten und zur Motivation sozialen Handelns besitzt. Anerkennung weist dabeineben ihren ökonomischen und sozialen Dimensionen insbesondere symbo-lische Qualitäten auf, die auf mentaler und emotionaler Ebene registriert undreflektiert werden. Heimat als soziales Konstrukt und Beheimatung als sozialerVorgang sind ein Bezugsfeld von gesellschaftlich virulenten Anerkennungsbe-dürfnissen bzw. eine Referenzebene dafür.
Eine ebenso starke Bedeutung des sozialen Umfelds in seinem Verhältniszum Individuum besitzt das Gefühl der Zugehörigkeit. Es kommuniziert mitdem Bedürfnis nach sozialer Integration und Gemeinschaft und ist damit inNachbarschaft zum Anerkennungsbedürfnis zu sehen. Zugehörigkeitsgefüh-le sind dynamisch, das heißt, sie können wachsen und sich ausbreiten oderschrumpfen. Sie stellen sich dann ein, wenn der Mensch sich angenommenund verstanden weiß, wenn er gemäß seinen Gaben und Fähigkeiten einenBeitrag zur sozialen Umgebung leisten kann und damit den Eindruck gewinnt,mit sich selbst und mit der Welt verbunden zu sein. Dieses Gefühl ist bereitsim frühen Säuglingsalter nachweisbar. Wenn dieses Gefühl erfolgreich aktiviertwird, stellen sich Zufriedenheit und eine beglückende Gemeinschaftserfahrungein, die ihrerseits wiederum das Selbstwertgefühl stärken. 29 Anhand von zwei
28 Vgl. Thomas Welskopp: Anerkennung- Verheißung und Zumutungen der Moderne. In:Honneth u.a.( wie Anm. 26), S. 41-73.
29 Vgl. Lisa Laurenz: Mehr als nur ein sicheres Gefühl. Die Sehnsucht nach Zugehörigkeit. In:Klaus Hofmeister, Lothar Bauerochse( Hg.): Wissen. Wo man hingehört. Heimat als neuesLebensgefühl. Würzburg 2006, S. 80-90; dies.: Zugehörigkeit. Rundfunkbeitrag im Rahmender Sendereihe Wissenswert, Serie Psychologische Grundbegriffe, Nr. 3. Hessischer Rundfunkhr2- kultur vom 1.9.2010. Manuskript 10-101 des Hessischen Rundfunks, Frankfurt a. M. 2010.
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