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Emotional turn?! : europäisch ethnologische Zugänge zu Gefühlen & Gefühlswelten : Beiträge der 27. Österreichischen Volkskundetagung in Dornbirn vom 29. Mai - 1. Juni 2013
Entstehung
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Das Bestehen auf der unbedingten Zähmung, Brechung des Affekts als Vo-raussetzung für Gesellschaft und Kultur und für ein gelingendes Leben( etwain Norbert Elias' These von der Zunahme der Affektkontrolle im Prozess derZivilisation) hat seit der antiken Philosophie ein Komplement in jenen künst-lerischen, wissenschaftlichen und politischen Programmen, die eine historischund gesellschaftlich unberührte Affektivität im Subjekt als kreatives, revolutio-näres oder emanzipatives Reservoir fruchtbar machen wollen.

Die Volkskunde/ Europäische Ethnologie ist aktuell in zweien ihrer Arbeits-felder mit einem solchen Konzept affektiver Unmittelbarkeit konfrontiert, undzwar in der Wissensproduktion wie in der Wissensrepräsentation: In der Auto-ethnografie als Forschungsmodus und der Szenografie als Darstellungsmodus.

Die Autoethnografie setzt für die Datenproduktion die subjektive, emotio-nale Wahrnehmung der Forschenden und/ oder der Erforschten methodisch insRecht. Im Unterschied etwa zur ethnopsychoanalytischen Methode( welche dieDaten erst durch kritische Reflexion der Übertragung produziert), werden dieDaten in der 1. Person Singular fabriziert. Gefühle und deren vielfältige undvielformatige Artikulation sind hierbei nicht ein Gegenstand, der historischerund analytischer Untersuchung bedarf, sondern sie gelten als authentisch vor-gefundene Daten.

Die Szenografie entfaltet das Aufeinandertreffen von Ausstellung/ Museumund Publikum als eine spezifisch definierte Erfahrung oder als Erlebnis. ImUnterschied zur Vermittlung von Exponaten mit Reflexion und Erklärung kon-zipiert die Szenografie das Aufeinandertreffen von Betrachtung und Objekt alsunmittelbar sinnliche Begegnung. Dieses Programm ist analysierbar als einerder konkreten Fälle eines space of experience, deren vielfältige Ausformungenfür die Geschichte des Kunst- Ausstellens und der Warenpräsentation seit 1800als Schnittflächen von Konsum- und Sinnesgeschichte, von Kunst- und Alltags-geschichte, von Wahrnehmungstheorien und Verkaufsabsichten gut untersuchtsind.4

Sowohl die Autoethnografie als auch die Szenografie macht ein spezifischesVerständnis von Affekt/ Gefühl/ Emotion zu einem wissenschaftlichen, methodi-schen, didaktischen Programm. Dabei suspendiert ein Ideal der affektiven Un-mittelbarkeit die Brüche und unabschließbaren Bezüge, welche die kritische,historische Kontextualisierung und Reflexion von subjektiver Wahrnehmungals Daten bzw. von Dingen als Exponaten in Gang setzen würde. Die hier er-örterten Varianten von Autoethnografie und Szenografie reifizieren zudem ro-mantische Scheidungen von Emotion und Kognition, von Vernunft und Gefühl.

4 Gudrun König: Konsumkultur. Inszenierte Warenwelt um 1900. Wien u.a. 2009; CharlotteKlonk: Spaces of Experience. Art Gallery Interiors from 1800 to 2000. New Haven, London

2009.

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