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Emotional turn?! : europäisch ethnologische Zugänge zu Gefühlen & Gefühlswelten : Beiträge der 27. Österreichischen Volkskundetagung in Dornbirn vom 29. Mai - 1. Juni 2013
Entstehung
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bunden.45 Musik bei den Hausaufgaben, beim Auto- und U- Bahnfahren, die Ro-manlektüre, der Kinobesuch, das Videospiel- all das sind Praktiken, die manhäufig gerade deshalb tut, weil man das Gefühl, das damit einhergeht, erleben/haben/ tun möchte. Es wäre zu fragen, ob ethnografische Untersuchungen zupopulärer Kultur, Unterhaltung und Vergnügen sich nicht immer auch mitEmotionspraktiken befassen. Die Wahl des Vergnügens hängt ja oft genau da-mit zusammen- das Gefühl wird genauso konsumiert wie das Medienprodukt,das es ermöglicht.

Die Emotionspraktiken anderer Menschen können unsere Gefühle auchmobilisieren, wie ich mit dem Hinweis auf das Fußballstadion schon angedeu-tet habe, und zwar dann verstärkt, wenn wir habituell darauf vorbereitet sindund eine gewisse Bereitschaft, eine Disposition oder Willigkeit mitbringen., Klageweiber Glossar ::: zum Glossareintrag  Klageweiber beim Begräbnis, Klaqueure im Theater und Lachkonserven imFernsehen sind Beispiele für eine institutionalisierte Nutzung dieses Effekts:Wir lassen uns von Emotionen anstecken. Aber wir lassen unsere Emotionennicht nur von anderen Menschen steuern, sondern auch von Tieren und vonObjekten. Bilder und andere Gegenstände können als Speicher für Emotionendienen, mit deren Handhabung wir Gefühle vergegenwärtigen und erlebbarmachen können. Die kulturwissenschaftliche Erinnerungsforschung ist insge-samt nicht weniger mit den emotionalen als mit den kognitiven Inhalten vonErinnerung beschäftigt, deshalb sind viele, vermutlich sogar die meisten Erin-nerungspraktiken zugleich Emotionspraktiken.48

Mobilisierende Emotionspraktiken setzen oft beim Bewegen und Manipu-lieren des eigenen Körpers an. Eine kraftvoll ausgeführte Geste kann Emotio-nen evozieren oder verstärken; Tanzen, Marschieren, Hüpfen und andere Be-wegungen werden mit Emotionen verbunden. Carmen Weith hat beispielsweisedie emotionalen Wirkungen vom Wandern auf der Schwäbischen Alb unter-sucht und mit der Methode des bewegten Interviews" sowohl nach Gefühlengefragt als auch eigene Gefühle mobilisiert und analysiert.49 Schließlich sollteman die vielfältigen Praktiken nicht ausblenden, die Emotionen steuern, indem

45 Siehe Frank Bösch, Manuel Borutta( Hg.): Die Massen bewegen. Medien und Emotionen inder Moderne. Frankfurt a. M. 2006.

46 Die Beiträge in Kaspar Maase( Hg.): Die Schönheiten des Populären. Ästhetische Erfahrungder Gegenwart. Frankfurt a. M. 2008 legen diesen Schluss nahe. Siehe auch Christoph Bareit-her: Vergnügen als Doing Emotion- Beispiel YouTube. In: Kaspar Maase u.a.( Hg.): Macher- Medien- Publika. Beiträge der Europäischen Ethnologie zu Geschmack und Vergnügen.Würzburg 2014.

47 Vgl. Pascal Eitler: Tierliebe und Menschenführung. Eine genealogische Perspektive auf das19. und 20. Jahrhundert. In: Tierstudien 2, 2013, H. 3, S. 40-50.

48 Gedanken hierzu bei Juliane Brauer, Martin Lücke: Emotionen, Geschichte und historischesLernen. Einführende Überlegungen. In: Dies.( Hg.): Emotionen, Geschichte und historischesLernen: Geschichtsdidaktische und Geschichtskulturelle Perspektiven. Göttingen 2013,S. 11-26, hier insbes. S. 19-21.

49 Carmen Weith: Alb- Glück. Zur Kulturtechnik der Naturerfahrung. Tübingen 2014.

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