Dienst an der Heimat
181
und deren Adepten sich mit diesem Remedium jener„, Selbsttherapie-rung einer sich modernisierenden Gesellschaft“ unterziehen wollten, dieals ein Hauptmovens, Volkskunde zu betreiben, beschrieben worden ist.20
5. Oberimaler Stubengetafel aus Pettmeu bei Landeck,auf dem Türstorz datiert 1700. Aufstellung 1924
Diese naturnahe undprimitiv Glossar ::: zum Glossareintrag primitiv- klare( undsomit anheimelnde), Volkskultur
war
denn auch, wie wirsehen21, hinter den
Mauern des Laudon-schlössls aufgebautund inszeniert- wennauch im Urteil LeopoldSchmidts( stetsKritiker von Haber-landts museologischer
ein
-
Doch
Praxis) der Versuch, das Sammelsurium der seinerzeitigen Museums-bestände 22 nunmehr im endgültigen Domizil des Vereinsmuseums einerrepräsentationstechnischen Ästhetik zu unterwerfen, gescheitert istund zwar an eben dieser Repräsentation:„ In der Idylle des alten Hauseslauerte nämlich für seinen größten Wert, seine Sammlungen, dieGefahr, über Stimmungen den Gehalt vergessen zu machen.< 23wie bei jeder Inszenierung ging es hier ja gerade um„ Stimmungen“---wohl auch um Gegen- Stimmungen, ganz im Sinn des emphatisch-resignativen Mementos aus den Gründertagen des Vereins, wonach es„ spät genug geworden[ ist]. Die wachsende Ausdehnung desEisenbahnnetzes, die Expansivkraft unserer Industrie und dergesteigerte Verkehr verdrängen überall die Erzeugnisse des primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag primitivenHausfleißes und nehmen allmählich Stück um Stück von derangestammten Eigenart unserer Bevölkerung hinweg. Die ländlichenTrachten verschwinden, die bäurischen Hausformen verstädteln, Sage
20 Köstlin 1998( wie Anm. 15), S. 169.
21 Abbildung bei Schmidt 1960( wie Anm. 5).
22 Wie es sich aus den im 2. Kapitel angesprochenen sammlungspragmatischen Notwendig-keiten ergeben hatte.
23
Leopold Schmidt: Das stille Palais in der Laudongasse. In: Ders.: Geliebte Stadt. Briefe anWien. Wien 1047, S. 117-123, hier S. 121.