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Auf der Bühne früher Wissenschaft : aus der Geschichte des Vereins für Volkskunde
(1894 - 1945)
Entstehung
Seite
175
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3. Dienst an der Heimat

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Wenn im fachgeschichtlichen Konsens die Gründung des WienerVolkskundevereins als einer der wichtigsten und nachhaltigstenImpulse für die Entstehung der Volkskunde in Österreich gilt, mussdoch gefragt sein: Impuls für welche weitere Entwicklung? Für dieallmähliche Durchsetzung eines wissenschaftlichen Diskurses im Fach?Das war er sicher, wenigsten war er das auch und unter der Per-spektive heutiger Europäischer Ethnologie" könnte darin zudem einSchritt in eine Richtung gesehen werden, in die erst rund ein Jahr-hundert später( und auch dann noch unter einigermaßen divergierendenVorzeichen¹) gegangen wird und die bereits den Vereinsgründern,zumindest in den ersten Jahren wie immer undeutlich und zeit-politisch motiviert-, vor Augen gestanden ist. Auf der anderen Seiteaber war es von Anbeginn an statutarisch festgelegtes Programm desVereins, als Vermittler[...] zwischen akademischem Betrieb undinteressiertem Publikum zu fungieren, und damit sollte nicht nur dieVolkskunde einer breiteren Öffentlichkeit nahe gebracht, sondern auchdiese Öffentlichkeit mit dem wissenschaftlichen Betrieb in praxi zu-sammengeführt werden womit allerdings auch einer( nennen wir eseinmal so) Laien- Volkskunde das Wort geredet wurde, in der ebenjener wissenschaftliche Diskurs Gefahr lief, übertönt zu werden.

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Laien- Volkskunde', das ist zweifellos ein recht problematischerAusdruck zugleich allerdings ein Kompositum, dessen Glieder³, auchabgesehen von der rein sprachlichen Parallelität, möglicherweise tauto-logischer Bedeutung sind. Gegen die in ihrem Frühstadium bestehendeNeigung der Folklore" zur, Laienforschung hat sich jedenfalls schon

1 Vgl. etwa Peter Niedermüller: Europäische Ethnologie. Deutungen, Optionen, Alternativen.In: Konrad Köstlin, Peter Niedermüller, Herbert Nikitsch( Hg.): Die Wende als Wende?Orientierungen Europäischer Ethnologien nach 1989(= Veröffentlichungen des Instituts fürEuropäische Ethnologie 23). Wien 2002, S. 27-62.

2 Klaus Beit: 100 Jahre Verein für Volkskunde in Wien: Verein Museum- Gesellschaft. In:Österreichische Zeitschrift für Volkskunde 49/98, 1995, S. 80-90, S. 86.

3 Zur( stets pejorativer als etwa Dilettant konnotierten) Wortgeschichte des Begriffes Laie( von kaóc= Volk" stammend) siehe das einschlägige Stichwort in: Joachim Ritter u.a.( Hg.):Historisches Wörterbuch der Philosophie, Bd. 5: L- Mn. Basel, Stuttgart 1980.