Einleitung
Wenn der Narr recht hat und die ganze Welt Bühne ist, dann spielt indiesem universalen Theater der Verein als Institution eine besondereund für den Zuschauer dankenswerte Rolle. Ist er doch selbst ein Schau-
spiel im Kleinen mit statutarisch festgelegtem Programm, das fixenRegeln folgt, Handlung, Dramatis Personae und Requisiten bestimmtund zugleich einen Einblick in die Dramaturgie auch seines weiterenUmfeldes erlaubt: seines zeitpolitisch- gesellschaftlichen Ambientesebenso wie
handelt es sich um eine wissenschaftliche Gesellschaft-der fachinternen Anstöße und Entwicklungen, die zu seiner Gründunggeführt und im weiteren Verlauf der Fachgeschichte seine Aktivitätengeprägt haben.
Der ,, Verein für österreichische Volkskunde“( später„ Verein fürVolkskunde in Wien") gilt landläufig als einer der wichtigsten und nach-haltigsten Impulsgeber für die hiesige Volkskunde, die sich ja- wie dasim gesamten deutschsprachigen Raum der Fall gewesen ist- recht spät( erstmals 1924 in Graz) als akademische Disziplin an den Hochschulenetabliert und zunächst in außeruniversitären Institutionen formiert hat.Und jedenfalls spiegelt diese 1894 gegründete Gesellschaft in ihrerEntstehung und Programmatik die Geschichte der österreichischenVolkskunde und deren staatspolitische Voraussetzungen und in ihrenweiteren Aktivitäten den jeweiligen Entwicklungsstand der Disziplin inder gesellschaftlichen und kulturellen Spezifik des nationalen Rahmens.
Hier sollen einige Abschnitte aus der Geschichte dieses Vereinesdargestellt werden- dargestellt zuweilen in des Wortes eigentlicher Be-deutung und so in dem konkreten und vielleicht etwas banal anmuten-den Sinn, den der Satz Walter Benjamins suggeriert, demnach„ derChronist, welcher die Ereignisse hererzählt, ohne große und kleine zuunterscheiden, der Wahrheit Rechnung[ trägt], daß nichts was sichjemals ereignet hat, für die Geschichte verloren zu geben ist.“
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1 Walter Benjamin: Über den Begriff der Geschichte. In: Gesammelte Schriften, Band. 1/2.Hg. von Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser. Frankfurt am Main 1991, S. 691-704, hier S. 694.