Gründerjahre
63
die Tatsache, dass er drei Jahrzehnte( 1903- 1931) die verantwortungs-volle Rolle des Vereinskassiers innehatte, zeigt darüberhinaus dieBedeutung, die dieser Laienschaft auch auf administrativer Ebene zuge-kommen ist.
-
Wie wir sehen, ist die Gründung( und auch die weitereEntwicklung) des Vereins von zuweilen akzidentiell anmutendenpersönlichen Momenten zumindest ebenso begleitet gewesen wie vongesellschaftspolitischen und wissenschaftsinternen Umständen ebendeshalb werden ja in dieser Arbeit die biographischen Verhältnisseeiniger seiner Vertreter genauer skizziert. Und dabei soll im weiterenmit Joseph Alexander Freiherr von Helfert und Franz Xaver Grössl dieAufmerksamkeit auf zwei Männer gelenkt werden, die bislang involkskundlicher Fachgeschichte kaum bzw. gar nicht berücksichtigtworden sind, die jedoch beide · gewissermaßen Antipoden in dervereinsinternen Hierarchie als konkrete Einzelperson wie als Re-präsentant des jeweiligen sozialen und weltanschaulich- politischenUmfeldes durchaus Beachtung verdienen.
Ein Präsident: Joseph Alexander Freiherr von Helfert
Mag auch die oft beschworene( vielvölker) staatserhaltenden Intentionder Vereinsgründung angesichts einiger Proponenten bzw. Mitgliederein wenig relativiert worden sein- ohne Mentalreservation wurde dieseIntention sicher von einem seiner wichtigsten offiziellen, seinerzeitauch einer breiteren Öffentlichkeit bekannten Exponenten getragen: MitJoseph Alexander Freiherr von Helfert 210, der bereits die konstituierendeVersammlung am 20. Dezember 1894 geleitet hat und dann von 1896bis 1901 Präsident des Vereins gewesen ist, hatten sich die Vereinsgründereines Mannes vom Schlage jenes„ alten Beamtentyps“ versichert, der210 Joseph Alexander Frh. v. Helfert, 1820( Prag)- 1910( Wien); bis 1842 Studium der Rechtean der Universität Prag: 1842 Dr. juris utriusque; 1848 Reichsrathsabgeordneter( konservatives Zentrum); 1848-61 Unterstaatssekretär im Innen- bzw. Unterrichtsministerium;1863-1910 Präsident der k.k. Central- Commission zur Erforschung und Erhaltung derBaudenkmale; ab 1881 Herrenhausmitglied; ÖBL( wie Anm. 80). Vgl. auch Herbert Nikitsch:Helfert- Thirring- Grössl. Biographisches aus den Anfängen des Vereins für österreichischeVolkskunde. In: Franz Grieshofer, Margot Schindler( Hg.): Netzwerk Volkskunde. Ideen undWege. Festgabe für Klaus Beitl zum siebzigsten Geburtstag(= Sonderschriften des Vereins fürVolkskunde in Wien 4). Wien 1999, S. 165-183.