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Keramik als Zeichen regionaler Identität : Beiträge des 36. Internationalen Hafnerei-Symposiums des Arbeitskreises für Keramikforschung vom 21. bis 26.9.2003 in Kittsee
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Zu den Anfängen der SchwazerMajolika- und Steingutfabrik

Konrad Spindler

Die Geschichte von Produktionsstätten und den an ihnen beteiligtenPersonen lässt sich am besten über firmeneigene Archive rekonstruie-ren, sofern solche gepflegt wurden und erhalten geblieben sind.Zusätzliche Quellen stehen in aller Regel mit den in öffentlichenArchiven und Bibliotheken verwahrten Urkunden und sonstigenSchriftzeugnissen zur Verfügung. Auskünfte von Gewährsleuten undFamilienangehörigen beleuchten die zurückliegenden Verhältnisse nurselten über mehr als zwei Generationen lang. Referenzen aus Print-medien liegen zwar ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts mitdurchaus zunehmender Tendenz vor- ich erinnere in diesem Zusam-menhang etwa an die Adressbücher der Keram- Industrie ab 18831-,spielen aber für ältere Zeitläufe fast keine Rolle mehr.

Des weiteren gilt es, den Quellenwert des überlieferten Materials kri-tisch zu hinterfragen. Ich habe die Beobachtung gemacht, dass histori-scherseits der Wahrheitsgehalt gerade amtlicher Korrespondenz häufigzu optimistisch bewertet wird. So sind etwa Selbstzeugnisse, die nichtden Behördengang anzutreten hatten, der Firmenpolitik halber mitun-ter recht euphemistisch abgefasst. Hingegen weichen offizielle Einga-ben von den tatsächlichen Gegebenheiten oft vehement ab, was bei-spielsweise Steuererklärungen in ganz besonderem Maße betrifft. Daswar selbstredend den Finanzbeamten seit jeher völlig klar, wurde aberfast nie artikuliert. Nur ausnahmsweise dokumentiert J. C. H. Börner imJahre 1781 einmal einen solchen mutmaßlichen Unterschleif, indem erzu dem von den Bunzlauer Töpfern angegebenen Wert der Auslands-ausfuhr in Höhe von 1507 Reichstalern bemerkt: Diese Summe kannsich, wenn anders die Präsumption vorwaltet, dass die Töpfer nichtallemahl den richtigen Werth der Versendung bey der Accise angeben,wohl noch etliche Hundert Thaler höher belaufen".2 BehördlicherSchriftverkehr trägt somit häufig einen eher pejorativen Charakter.

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Adressbuch der Keram- Industrie in Deutschland 1883 ff.

2 Börner, J. C. H.: Die Bunzlauer Brauntöpferey. In: Der Patriotischen Gesellschaft fürSchlesien neue oeconomische Nachrichten 2, 1781, S. 144-150, hier S. 149.

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