Keramik im Burgenland- Vom zünftigenHandwerk zur Tonwarenfabrik
Wolfgang Gürtler
Zünfte waren Organisationen von Handwerkern, die auf einer von derjeweiligen Obrigkeit( Kaiser/ König, Grundherr, Stadtmagistrat),, bestätigten" Handwerksordnung( Artikelbrief u. ä.) als Rechtsgrund-lage beruhten. Sie regelten den Ausbildungsgang, häufig auch die Zahlder Mitglieder, die Art und Qualität der Produkte, deren Vermarktung,aber auch den privaten Lebenswandel der Zunftangehörigen. Siewaren demokratisch organisiert( Wahl der Funktionäre) und verfügtenüber eine gewisse Rechtsautonomie in internen Streitfällen. Darüberhinaus gewährte„ das Handwerk" in seiner Gesamtheit den Mitglie-dern solidarischen Schutz( etwa finanzielle Unterstützung im Krank-heitsfall, Versorgung von Meisterwitwen und Töchtern verstorbenerMeister), doch wurde dies durch lebenslange Unterwerfung unterstrenge Regeln, deren Einhaltung strikt überwacht und deren Übertre-tung mit Geldbuẞen bestraft wurde, und durch Mitgliedsbeiträge imwahrsten Sinne des Wortes erkauft.
Hier, im ehemaligen Westungarn, wurde das Handwerk ab dem17. Jahrhundert durch die Grundherren organisiert. Dabei zeigt sichvor allem auf dem„ Herrschaftsgebiet“ der( ab 1687) Fürsten Esterházydas Phänomen, dass eine größere Zahl der von ihnen für die einzelnenHandwerke erlassenen Handwerksordnungen ursprünglich für mehre-re oder sogar alle( heute) burgenländischen Herrschaften Geltung hat-ten und erst im Laufe der Zeit( etwa ab dem Beginn des 18. Jahrhun-derts) der ,, Zuständigkeitsbereich" der Zunft allmählich auf eine odernur zwei Herrschaften verringert wurde, wodurch sich eine wachsen-de Zahl von Zunftorganisationen ergab.
Da eigentlich das Recht zur Ausstellung von Handwerksordnungendem Landesherrn zustand, kassierte Maria Theresia( in ihrer Funktionals Königin von Ungarn) die von den Grundherren und Städten erlas-sen ,, Artikel" und erteilte, so darum angesucht wurde, königliche.
Dies als Erklärung für die nun folgenden Ausführungen.Obwohl in unserem Raum schon früh Erzeugnisse von Hafnernnachweisbar sind, kam es hier jedoch erst verhältnismäßig spät zurGründung eigener Hafnerzünfte. Die älteste befand sich in Preßburg
283