Druckschrift 
Keramik als Zeichen regionaler Identität : Beiträge des 36. Internationalen Hafnerei-Symposiums des Arbeitskreises für Keramikforschung vom 21. bis 26.9.2003 in Kittsee
Entstehung
Seite
207
Einzelbild herunterladen
 

Keramische Funde der Zeit um 1800 ausdem Burgbrunnen im Schloss Nienover

Hans- Georg Stephan

Einführung

Gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Karstkunde Harz e. V.wurden und werden vom Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Uni-versität Göttingen in den Jahren 2000-2004 Ausgrabungen im Schloss-brunnen von Nienover durchgeführt. Der Brunnen wurde wahrschein-lich in der Blütezeit der Burg im 12./13. Jahrhundert angelegt. InFugen und Spalten fanden sich einzelne Keramikfragmente aus dem14./15. und 16./17. Jahrhundert. Der Schacht ist mehrere Meter hochmit Schutt verfüllt, heute weitgehend trocken und war vor Beginn derGrabungsarbeiten 28 m tief. Die ursprüngliche Tiefe kann auf ca.35-45 m geschätzt werden. Ab etwa 30 m Tiefe wird die Füllungzunehmend feucht. In der Zeit um 1800 wurde der Schacht offensicht-lich als Entsorgungsanlage genutzt, die neben Hausmüll allerdingsauch Bauschutt enthält. Oben ist der Brunnen mit Buntsandsteinentrocken ausgemauert, er besitzt einen Durchmesser von 3,8 m; ab ca.6,8-7 m Tiefe wurde er als etwa 2,2 m im Lichten messender quadra-tischer Schacht mit abgerundeten Kanten in den Sandsteinfelsengeschlagen. Die Höhlenkundler installierten 2 m über der Sohle einSchutzdach gegen Steinschlag; ein Industriestaubsauger gewährleistetdie ausreichende Frischluftzufuhr. Dank einer Spende des Arcana- Ver-lages Göttingen( Tete Böttger) und der Einbeziehung in das EU- Pro-jekt Leader+ ,, Erlebnis Kulturgeschichte in der Region Weserbergland-Solling" konnte eine technische Grundausrüstung für die Tiefgrabungangeschafft werden.

Der Brunnen wurde vermessen und dicht über der im Jahre 2000vorgefundenen Brunnensohle, genauer der Oberkante der Verfüllung,eine Höhenmarke angebracht( 183,57 m ü. NN). Die Verfüllung wurdezunächst zur Hälfte 1,5 m tief ausgehoben und anschließend bis Ende2003 bis in ca. 2 m Tiefe weitgehend ausgegraben, in einer Sondageerfolgte eine Abtiefung bis 2,2 m. Bis in ca. 2 m wirken die Funde vonihrem Charakter her recht einheitlich. Sie gehören mit wenigen Aus-nahmen ins erste Drittel des 19. Jahrhunderts Die Füllung enthielt

207