Vergessene und unbekannte Habaneröfen
Ludwig Döry
Eigentlich war Ungarn bis 1945 quasi ein Feudalstaat. Die Rache derGeschichte folgte am Fuße, sie war für die Adelsschicht vernichtend.Die Eliminierung betraf auch jene ungarischen Adeligen, deren Sitzein Folge des Friedens von Trianon 1920 an Nachfolgestaaten jenseitsder Staatsgrenze gefallen sind.
Kulturträger war jedoch bis dahin der Adel, voran die Aristokratie,dessen finanzielle Mittel erlaubten, die Wohnsitze mit prächtigen Öfenauszustatten. Merkwürdig stiefmütterlich wurden bislang einschlägigenachmittelalterliche Denkmäler sowohl in Ungarn als auch in denbenachbarten Nachfolgestaaten ganz allgemein behandelt. War es nach1945 unopportun, sich mit Relikten der noch so nahen Verfemten zubeschäftigen? Oder hatten Forscher der Nachfolgerstaaten Ressentimentsgegenüber den ehemaligen magyarischen Herren? Weder noch- mei-nes Erachtens liegt der Grund für die Vernachlässigung nachmittel-alterlicher Objekte schlicht am Desinteresse: Öfen sind Gebrauchs-gegenstände und keine Kunstwerke, ihre Geschichte wird nichtreflektiert. Ich erinnere mich noch gut an meinen Besuch von SchlossBojnice( Bajmóc) im Jahre 2000, als wir bei der obligaten Führung amsehr großen Ofen des Grafen Pálffy kommentarlos vorbeigeschleustwurden, während Gemälde ausführliche Würdigung erfuhren. Ein bes-seres Schicksal bezüglich Erforschung erlebten die Heizungseinrich-tungen der bäuerlichen Bevölkerung. Hinzu kommt das vorrangigeInteresse von Forschern und Sammlern am Geschirr der Habaner,Ofenkacheln verblieben im wissenschaftlichen Abseits. Die rühmens-werte Ausnahme betrifft Ostungarn( s. u.).
Prächtige Öfen aus Schlössern wurden zwar auch als etwas Beson-deres gewürdigt, aber als gewichtige Gruppe selten herausgehoben, oftnur kursorisch erwähnt. Wir meinen die homogene Gruppe der viernoch stehenden monumentalen Öfen in der Slowakei und in Ungarn',die alle als Erzeugnisse der Habaner gelten. Wir nennen die vier bedeu-tenden Objekte
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Auf die Tätigkeit und Wirkung der Habaner in Siebenbürgen brauchen wir im Zusam-menhang mit unseren elf neu hinzugezogenen Öfen nicht einzugehen.
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