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Keramik als Zeichen regionaler Identität : Beiträge des 36. Internationalen Hafnerei-Symposiums des Arbeitskreises für Keramikforschung vom 21. bis 26.9.2003 in Kittsee
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Das Hermannstädter Töpferhandwerk( 14.- 19. Jahrhundert)

Horst Klusch

Im 12. Jahrhundert siedelten in Siebenbürgen deutsche Kolonisten ausMittel- und Westeuropa, wuchsen zu einer Gemeinschaft mit eigenerMundart und lokalbedingten Eigenheiten zusammen und wurden vonden ungarischen Behörden irrtümlich mit Saxones", d. h. Sachsenbezeichnet. Unter den Siedlern befanden sich auch Flamen, Wallonenoder Franzosen, die in dem Schmelztiegel deutscher Siedlungen assi-miliert wurden. Im Laufe von Jahrhunderten hatte Hermannstadt fürdas deutsche Siedlungsgebiet eine politische, wirtschaftliche und reli-giöse Verwaltungsrolle eingenommen.

Ein Studium des Töpferhandwerks in Hermannstadt ist durch eineReihe von Gegebenheiten gerechtfertigt und für die Erforschung derTöpferei des Mittelalters und der Neuzeit von besonderer Bedeutung.Der Umstand, dass diese Ortschaft zu den ältesten Siebenbürgenszählt, dass sich hier eine große Anzahl von Dokumenten über dasTöpferhandwerk erhalten hat und dass Hermannstadt ab dem 15. Jahr-hundert als Sitz der Nationaluniversität( oberste politische Verwal-tungs- und Gerichtsbehörde der Siebenbürger Sachsen) und ab dem16. Jahrhundert als Sitz der Zunftunion auch den übrigen sächsischenSiedlungen ein Vorbild war, erklärt diese Relevanz.

Ob unter den ersten sächsischen Siedlern auch Töpfer waren, ist unsnicht überliefert, kann aber vorausgesetzt werden, denn bei Grabungenwurden Keramikscherben, die in das 12. Jahrhundert zurückdatiertwurden, freigelegt. Es ist zu vermuten, dass im neuen Ansiedlungs-gebiet auch der Töpfer in erster Linie Bauer war und sein Handwerknur sekundär, in Zeiten ungünstiger Witterung ausübte.

Der Zuzug von Töpfern im 13. Jahrhundert, besonders nach derZerstörung Hermannstadts durch die Mongolen( 1240), kann mitSicherheit angenommen werden. Im 14. Jahrhundert ist für Hermann-stadt das zunftmäßig geordnete Töpferhandwerk nachgewiesen.

Die Zunftordnung aus dem Jahre 1376, die sich auch auf die Töpferbezieht, bestätigt ein organisiertes Töpferhandwerk auch vor diesemZeitpunkt, denn es wird erwähnt, dass ,, viele Bestimmungen unsererHandwerker und alte Gewohnheiten vermehrt, schlechte beseitigt"

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