Keramische Klangobjekte als Zeichenkulturhistorischer Entwicklungen undregionaler Identität
Ilse Schütz
Keramische Klangobjekte erfreuen sich in der Keramikforschung kei-nes besonderen Interesses. Im allgemeinen werden sie auf Pfeifchenund Pfeiffiguren von geringer Größe reduziert und landen in der Kate-gorie ,, Spielzeug“. Dennoch sind sie nur ein Teil der zur Schallerzeu-gung dienenden Objekte. Keramik selbst klingt: Durch Anschlagenkann Schall erzeugt werden- denken wir nur an die Scherbenhaufender Polterabende. Darum gehören sie nach der Klassifizierung vonHornbostel zu den Idiophonen.' Keramische Gefäße eignen sich eben-falls als Resonanzkörper. Gegenüber Holz etwa haben sie den Vorteil,sich auch bei Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen nicht zuverändern. Allerdings sind sie zerbrechlich, und darauf dürfte eszurückzuführen sein, dass keramische Musikinstrumente, selbst Trom-meln, selten sind. Schließlich ist es nicht mehr so leicht, einen irdenenTopf zur Hand oder einen Töpfer in der Nachbarschaft zu haben, dereben mal einen solchen herstellen würde. Das war nicht immer so.
,, Diese 4. Stück werden gezeigt rings um den Glockenthurn, aufden Heiligtums- Kammern, und auf der Brücke, so zwischen beydenThürnen stehet, und bey Zeigung eines jedweden Stücks wird zwarherrlich musicirt, aber kann unten auf Erden nicht wohl gehört werdenwegen der Heiligthums Hörner, so aus Erd gebacken, roth oder blaugefärbt, darinnen Kinder und große Leuth unter dem zeigen dermassenstark hinzu blasen, dass zwei nebeneinander stehende sich nicht erhö-ren mögen". Es geht um die Aachener Pilgerhörner nach einer Chro-nik aus dem 18. Jahrhundert, zitiert nach den Ausführungen von RalphMennicken. Dort heißt es weiter: ,, Da hätte man meinen sollen, dieganze Erde erzittere von dem lauten Schall der Hörner und dem Rufen
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Vgl. Hornbostel, Erich M. von und Curt Sachs: Systematik der Musikinstrumente. Ber-liner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte: Zeitschrift für Eth-nologie 46. Berlin 1914, S. 553.
Zit. n. Mennicken, Ralph: Von Archäologen, Pilgern und Formenschneidern. Töpferei-museum Raeren 5, 2002, S. 9.
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