Pfeiffiguren als Zeichen lokalerkulturhistorischer und volkskundlicherEntwicklung
Rolf Mari
Ilse Schütz berichtet in ihrem Vortrag ausführlich über keramischeKlangobjekte. Ich widme mich explizit den Pfeiffiguren, meinem Sam-melgebiet.
Folgende Gliederung wurde vorgenommen: zuerst eine Übersichtantiker Pfeifobjekte aus meiner Sammlung als Nachweis, dass Pfeif-figuren keine neumodische Erfindung sind, sondern zu den frühestenArchetypen unserer Zivilisation gehören; danach das oben genannteThema.
Zu Beginn jedoch eine Abbildung„ mit Formen und Varianten“, dieeine, wenn auch verkürzte Eingruppierung der Pfeiffiguren erlauben.Der Unterschied zwischen Pfeife und Flöte liegt in der Möglicheit,einen( Pfeife) oder mehrere Töne( Flöte) zu erzeugen( siehe Abb. 1).
Antike Pfeiffiguren
China
Aus China stammen die als Xun bezeichneten ältesten Gefäßflöten derWelt. Sie wurden bei Ausgrabungen gefunden und sind aus der Zeit4800 bis 4200 v. Chr. Typisch für eine Xun ist die meist eiförmigeGestalt mit bis zu zehn Grifflöchern. Das Loch in der Spitze wird über-blasen, ähnlich dem randangeblasenen Schlüssel in der alpenländi-schen Folkloremusik. Noch heute ist die Xun ein Standardinstrumentin der chinesischen Musik. Alle abgebildeten Objekte wurden von mirin Peking erworben; zwei davon sind aus neuerer Zeit, nur die linksstehende soll angeblich einige Hundert Jahre alt sein.'( siehe Abb. 2)
1 Vgl. Liang, Mingyue: Music of the Billion. An Introduction to Chinese Musical Cultu-re. Verlag Heinrichshofen, New York 1985.
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