deutschen Bauhütten maßgeblich beteiligt. Dies war vermutlich aufpersönliche Kontakte Friedrichs zu süddeutschen Augustinern wäh-rend seiner Gefangenschaft in Bayern zurückzuführen.8 1354 gestatte-te Herzog Albrecht II.( 1298-1358) dem Augustinerkloster die Unter-bringung von privets( Aborten).⁹
Dass der Augustinerturm dafür genutzt wurde, belegten die äußerstfundreichen unteren Verfüllschichten des Turmes. Nach dem gegen-wärtigen Forschungsstand handelt es sich bei der Latrine im Augusti-nerturm um die bislang einzige nachgewiesene mittelalterliche inWien. Sind durch Stadtkerngrabungen in Deutschland¹, Frankreich",der Schweiz¹² und Polen¹³ zahlreiche Latrinen bekannt, fehlen sie imRaum Wien im wesentlichen. Möglicherweise pflegte die Bevölke-rung hier üblicherweise eine andere Form der Entsorgung."
Eine mittelalterliche Latrine hatte in der Regel nicht nur Abortfunk-tion; man nutzte sie auch zur Entsorgung von( Küchen-) Abfällen undnicht mehr verwendbarem Hausrat.15 Latrinen und ihr Inhalt stellendamit eine Quelle ersten Ranges für die Rekonstruktion mittelalter-licher Alltagskultur und Lebensumstände dar. Die Latrinenverfüllungdes Augustinerturmes enthielt große Mengen Keramik, weiters Kno-chen, Glas, Holzbalken, aber auch Reste von Holzgefäßen, Flecht-werk, Leder und Pflanzen. 16 Die engen Verbindungen der WienerAugustinereremiten zu den Ordensbrüdern in Südwestdeutschland,wie sie aus Schriftquellen zu entnehmen sind, zeigen sich auch imkeramischen Fundmaterial aus der Latrine. Dies trifft nach dem gegen-wärtigen Stand der Datenaufnahme besonders auf Schüsseln undKrüge mit Deckel aus glasierter Irdenware zu.
7 Vgl. Perger- Brauneis 1977, S. 155.
8 Vgl. Rennhofer 1956, S. 56.
9 Vgl. Perger 1991, S. 17.
10 Vgl. z. B. Schütte 1986; Oexle 1992, S. 365 ff.; Dallmeier 1995, S. 287 ff.; Untermann1995; Feldhaus- Stephan 1995; Frieser 1999; Jenisch 1999, S. 157 ff.
11 Vgl. Kern 1992, S. 116 ff.
12 Vgl. z. B. Brombacher 1999, S. 93 ff.
13 Vgl. Buśko- Piekalski 1995/96, S. 173 f.
14 Die wenigen bekannten gemauerten Latrinen in Wien stammen zum Großteil aus späte-rer Zeit. Diese sind nicht durch Grabungen, sondern durch Bauforschung erfasst. Vgl.Mitchell Schön 2002, S. 478 ff.
15 Vgl. Schütte 1986, S. 252 ff.; Küster 1998, S. 323 f.
16 Erste Untersuchungen durch Ursula Thanheiser, Vienna Institute for ArchaeologicalScience(= VIAS), Univ. Wien, und vorläufige Ergebnisse liegen bereits vor: Thanheiseru. a. 2001; Fritsch 2003, 190 ff.
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