wandernden Kripperltandler abkaufte, der sie aus Berchtes-gaden, aus der Viechtau im Salzkammergut oder aus Gröden in Süd-tirol und aus Friaul beschaffte.
Lauter Holzfiguren in lebhaften Farben sind es, mit denen einstdie Kirche von St. Leonhard in der Sölk ihre prächtige holz-geschnitzte Krippenstadt bevölkert hatte, ehe sie um 1909 ein modernesGußkripperl einer süddeutschen Firma erwarb und die alten Figurendurch freundliche Vermittlung dem Steirischen Volkskundemuseum alsWidmung eines Gönners überlassen wurden 70). Hier schuf ein Malernamens Winkler in einem Diorama den rechten steirischen Wald-graben, so wie die Sölk einer ist, als Landschaft, in die die zinnen- undtürmereiche deutsche Stadt wie ein Märchengebaut wurde. An ihremFuẞe vollzieht sich im Grottenstall das Wunder der MenschwerdungChristi, zu dem die alten hölzernen Hirten und neue, aus anderen ver-fallenden Krippen entnommene stoffbekleidete Figuren zum Teil mitwachsbossierten Köpfen und Gliedern oder auch wieder Holzstatuettenals Kamelreiterkönige und Pagen gezogen kommen. Blauschwarz um-stehen die Waldberge in der mondlichtüberglänzten steirischen Win-ternacht das helle Wunder.
Wohl gibt es im Lande noch viele solche holzgeschnitzte und be-malte oder auch wachsbossierte und bekleidete Figuren in volkstüm-licher Auffassung. Zu Murau in der Stadtpfarrkirche etwa treten dieHirten in sehr sorgfältig genähten und urtümlichen Trachtenkleidern zurKrippe. In Steirisch- Laßnitz ist die Gesamtanlage einige Meterlang und nicht unähnlich jener in der Stiftskirche von St. Lambrecht,der die kleine Nikolauspfarre zugehört. Viele Soldaten marschierendort zur Parade auf und unter die hölzernen ländlich- steirischen Figu-ren reihen sich andere offenbar italienischer Herkunft von Wander-händlern mit nickenden Köpfen über den hohlgeschnitzten Körpern.
Wie groß der Schatz an hauseigenen Krippen auf manch einemsteirischen Bauernhofe noch vor wenigen Jahren gewesen sein konnte,davon weiß ein Bergbauer aus der Gegend von Stadl an der Murzu erzählen. Nicht weniger als fünf Krippen standen dort wechsel-weise in Verwendung! Freilich seit etwa zwölf Jahren nicht mehr.In dieser kurzen Frist gingen die vielen Figuren, vielleicht weil sie., nicht mehr schön genug" sein mochten, stückweise verloren. Manchekauften die umziehenden Händler auf, andere verfielen als Kinder-spielzeug. Heute sind von all der einstigen Pracht nur noch einzelneHäuschen, aber keine Figuren von Hirten, Königen, Soldaten undAlmleuten mehr vorhanden... 70a).
Anderswo trauert man heute den allzu voreilig von der Großväter-generation mißachteten heimischen Krippen nach, die man gegenfabriksmäßige neue ausgetauscht hatte, ohne freilich befürchten zumüssen, daß die Kinder unserer Zeit vor der neuen Krippe wenigerbeseligt stünden. Nicht immer fand sich ein Dichter, der aus beglückterKindheitserinnerung der alten Krippe liebevoll in seinem Werke ge-
70) Geschenk von Herrn Primarius Dr. Kurz zum Thurn von Golden-stein, Graz. Steirisches Volkskundemuseum, Inventarnummer 3164 ff.
70a) Freundliche Briefmitteilung meines Hörers Friedrich Cinibulk-Graz vom 12. Juni 1953.
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