Winter" zwischen Paradeis- und Hirtenspiel singen. Alle fühlen siesich geladen, nicht nur die Hirten und die Könige:
Die Halter und die Holzknecht
Habn a' n Kind was bracht.
A Bröckerl Butter und an Kas,
Das is a Hirtengab.
Die Holzknecht habn an HadnsterzUnd a a Haslhenn,
A Gamserl habn sie a wolln bring,Habns aber nit bekemm'.
Ganz rechts oben in unserer Krippe kündet ein Engel mit einemKreuze den erwachenden Hirten die Ankunft des Messias. Dochschwebt auch ein eigener Gloria- Engel mit einem Spruchband an einemquergespannten Faden schwingend über dem Krippentheater, als wäreer eben aus der goldgelb bemalten ,, Himmelslucken" gekommen, diedas einheitliche heitere Blau über der Landschaft durchbricht. EinFischer mit seinem Lägel auf dem Rücken hält Rute und Angelschnurin einen Spiegelteich, auf dem Schwäne oder Enten schwimmen. Ganzknapp am Wege, den der Bettler stelzt, schwingt ein kniender Berg-mann sein Fäustel arbeitend vor einem Stollen. Auf etlichen Tannen-bäumchen wippen Vögel; auf zwei Felszinnen lugen Gemsen in dieWeite über dem Volksgewimmel. In der linken unteren Ecke aberbetet ein greiser Klausner vor Kreuzbild, Buch und Totenschädel imbraunen Kapuzinerhabit in seiner mit einem Lattenzaun verschlos-senen Höhle 67).
Da gäbe es freilich noch viele solcher steirischer Guckkastenkrip-pen aufzuzählen und jede hat einen besonderen Einfall für sich. Einedarunter mit über fünfzig holzgeschnitzten, je sieben bis zwölf Zenti-meter hohen Figürchen läßt das biblische Bethlehem gar eine Hafen-stadt mit großen Segelschiffen sein, die ein kolorierter Kupferstich alsHintergrund vortäuscht 68).
Manche bergen hinter dem Scheibenrahmen aus goldfarbenenSäulen und geschwungenen Oberteilen Krippenberge mit vielen Ter-rassen und Etagen, mit Stiegen und Höhlen, mit Durchlässen und Lau-ben, mit Ruinen und Palästen für bemalte Wachsfiguren als Krippenvolk.Allerlei illusionistische Kunstkniffe sind angewendet, am liebsten dieSpiegel, in denen die romantische Umgebung so vielfältig wieder er-scheint, auf denen außerdem Schwäne ruhig dahinzuziehen scheinen 69).Manchesmal aber sind wächserne, hölzerne und Papierfiguren buntdurcheinander gestellt, weil man Zerbrochenes immer wieder ergänzenmußte oder neue Szenen einzufügen beliebte. Da boten die„, Christ-kindlmärkte" nach Wiens berühmtem Vorbilde auch vielfach inunseren Alpenländern willkommene Gelegenheit zu Kauf und Tausch,soferne man die Figuren nicht beim Dorfschnitzer bezog oder dem
67) Ebenda. Inventarnummer 10284. Aus Graz. Erworben 1941. Vorder-höhe 40, Vorderbreite 48, Tiefe 29, Rückenfläche 29: 29 cm.
68) Ebenda. Inventarnummer 5755. Kastenkrippe 61: 32: 30: 27 cm. ImJahre 1914 vom Möbelhändler Rudorfer- Murau erworben. Über 50 Figuren.69) Ebenda. Inventarnummer 1936. Aus St. Oswald ob Eibiswald 1916 er-worben. Grundfläche 60: 28 cm, Gesamthöhe 75 cm. 15 menschliche Figuren,je 4-7 cm hoch.
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