ein paar Schafe trinken. Zuunterst in der Bilderreihe tummeln sich dieSchafe. Ein Hirte beschirmt mit der Hand seine Augen, da er zurHeiligen Familie in der Schreinmitte hinüber sieht und ihn der Glanzdes Neugeborenen zu blenden scheint. Auch hier auf diesem Flügelwie auf seinem Gegenstück und im Mittelteil ist der bergige Unter-grund aus dunkel bemaltem Steifpapier geformt.
Das oberste Bild auf dem rechten Flügel enthält ein Gegenstückzum Königsopfer ans Gotteskind: der Hohepriester mit alttestament-lichem Doppelhornhelm nimmt in Gegenwart zweier Tempeldieneroder Ministranten, die mit Stola und Chorrock wie zwei Kapläne vonheute aussehen, aus den Armen des greisen Simeon das Christkind zurrituellen Segnung an sich.
In den beiden Feldern darunter aber tummeln sich Hirten undAlmleute mit Schafen und Hunden.
Beide Flügel zusammen lassen sich so schließen, daß dieses ganzeKrippentheater in einem unscheinbaren braungrauen Kasten verbor-gen werden kann.
Ganz aber fehlen die offenen Krippen auch in der Steier-mark nicht. Sie zeigen zwar keine räumlich weite Ausdehnung, son-dern wachsen mehr in die Höhe. So ähneln sie viel eher den oft drei-teilig aufsteigenden Krippenbergen des sächsischen Erzgebirges undSchlesiens.
Streng regelmäßig ist eine solche steirische Krippe ohne Kasten inDreiecksform vor dem Beschauer aufgerichtet. Die Mitte der breitenGrundfläche nimmt der Stall ein, der in den Berg hineingebaut ist.Holzpfosten stützen die Notherberge ab. Der Hintergrund der Höhlezeigt das alte griechische Jesus- Zeichen IHS, das unsere Bauern als" Jesus- Heiland- Seligmacher" deuten. Es ist aus der steifen Rückwandgeschnitten und mit Seidenpapier verklebt. Von innen her beleuchteteine Kerze das Heilszeichen, das sich so oft auf Möbeln und Decken,auf Trambäumen und Giebeln findet. Damit ist der Grund der Grotteerhellt und beide legendenhaften Betlehemtiere werden sichtbar.Davor steht das Holzkripplein zwischen den knieenden Eltern. Vonallen Seiten kommen im Vordergrund, der durch einen Spreißelzauneingefriedet ist, die Hirten daher. Es sind grobgeschnitzte Holzgestelle,mit farbigen Stoffresten zierlich in die alten Trachten der Heimat ge-kleidet, vereinzelt mit einem sehr fein ausgeführten Kopfe. Beidseitsdes Stalles führen Steige nach oben zur mittleren Stufe mit drei quer-gestellten plastisch ausgeführten Wohnhäusern. Die Spitze des ganzenKrippenberges aber bildet ein hoher, blauer Bürgerpalast mit dreiTurmspitzen besonderer Höhe, flankiert von zwei weiteren Häusernmit Prunkfassaden und je zwei spitz auslaufenden Zwiebeltürmen. Zubeiden Seiten reihen sich auf den Dreieckskanten von unten bis obenholzgeschnitzte Bäume mit braunen Stämmen und grünen Spitzkronenwie beim alten Kinderspielzeug. Mancherlei stoffbekleidete und holz-geschnitzte Hirten und Weidetiere stehen über den ganzen Berg ver-teilt 65).
65) Ebenda. Inventarnummer 1939. Grundfläche 120: 54 cm, Rückenhöhe62 cm; vom Adernbauern in Wegscheid 1913 erworben.
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