überlassen, weil er, wie das Volk streng und sicher urteilte ,,, wohl mitder Hand, aber nicht mit dem Herzen aufstellte" 5¹).
Eine mächtige Anlage ist diese Krippe in der weiten Kirchedes altehrwürdigen Stiftes. Links vorne, auf und neben dem Benedik-tusaltare wird sie errichtet. Der Altaraufbau ist ein Teil des Krippen-hintergrundes und die Mitte seiner Mensa die Stelle, wo der Stall derChristgeburt steht und mit dem Tempelgehäuse von Jerusalem mehr-mals den Platz tauscht. Der große ,, Heilige Berg" aber zieht sich etlicheMeter lang und gut zwei breit längs der Wand bis zum Speisgitterund bedeckt eine bedeutende Fläche. Zwei Meter hoch baut sich dasglasstaubglitzernde Waldgebirge mit Burgen und Almhütten auf, mitJägern und Wildschützen unter den Felsen und Bäumen, mit heimi-schem und exotischem Glossar ::: zum Glossareintrag exotischem Getier der Wildnis in den Schluchten. Die prun-kenden Paläste und Wohnhäuser dreier Städte, wie sie die Phantasiedes 18. Jahrhunderts sah, begrenzen den„ Heiligen Berg" vorne: Jeru-salem, Nazareth und Betlehem. Denn in allen dreien spielen diesiebzehn Phasen der St. Lambrechter Krippenzeit,die vom Heiligen Abend bis zur Lichtmeẞfeier dauert. Natürlich fehltdas Volk darinnen nicht. Tratschweiber Glossar ::: zum Glossareintrag Tratschweiber am Brunnen, Bauersleute vorihrem Gehöfte, Marktfrauen und Gardesoldaten und gar ein Hand-werksbursche mit seinem Ränzel, der miẞvergnügt die eigens aufge-stellte Tafel liest:„ Das Betreten ist bei fünf Thalern Strafe verboten."Ein dicker Wirt aber wirft eben einen anscheinend mehr als Beschwip-sten aus seinem Hause hinaus.
Alle Figuren sind verstellbar. Vielfach haben sie bewegliche Glie-der. Fast alle sind bekleidet in Stoffen je nach ihrem Stand und ihrerWichtigkeit. In dieses Alltagstreiben der heimatlichen Kleinstadt des18. Jahrhunderts reihen sich die Szenenbilder des biblischen Gesche-hens der Heiligen Nacht und der kirchlichen Festzeit bis Maria Rei-nigung.
Wenn die Mönche im Chor die Prophezeiungen des Alten Bundesund die Psalmen singen, wenn draußen die Bauern und die Markt-bewohner mit Laternen durch den verschneiten Stiftshof zur Mettestapfen, wird das Krippenkind mit seinen Eltern zu Ochs und Esel inden Stall gelegt. Der Abt zieht feierlich mit dem ganzen Konvent zumMettenamt ein und bald klingt die ganze Traulichkeit steirischer Weih-nacht durch die alte Kirche. An der Krippe verkündet die Engelsfigurden Berghirten, die um ihr Wachtfeuer lagern, das Wunder derChristgeburt( 1. Szene). Den ganzen Christtag über knieen dieHirten dann vor dem Stalle auf dem Benediktusaltare( 2).Am Stefanitage drauf, dem 26. Dezember knieen sie noch immer undbieten dem Kinde ein Kletzenbrotlaibl und einen Butterstriezel, ein,, Lamperl" und manch andere Gabe des Bergvolkes. Aber schon wirdin der Puppenstadt vor dem Waldgebirge der Martertod des
51) Die folgenden Daten neben eigenen Erkundungen aus O. Wonisch,Das Kripperl in St. Lambrecht( Grazer Volksblatt, vom 21. XII. 1924). Dazu:O. Wonisch, Die Kunstdenkmäler des Benediktinerstiftes St. Lambrecht( Österreichische Kunsttopographie, Bd. XXXI). Wien 1951, S. 77; Regest447 und Abbildungen 191 und 192. Dazu: R. Pramberger, Volkskunde derSteiermark. Handschrift- Bd. XIV, f. 228 ff.( Handschriftarchiv des SteirischenVolkskundemuseums, Graz).
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