mit ,, Knieabihosen", mit breitem Hut, mit Hirtentasche und Stab. Überdem Krippenstall aber kündet der Engel mit einem Spruchband denHirten auf dem Felde die glückselige Mär.
Nur das Geschehen der Heiligen Nacht enthält dieser Grazer Glas-schrein. Nur die Hirten sind geladen, noch nicht die Könige. Vielleicht,ja sogar sehr wahrscheinlich waren für Dreikönig und Lichtmeẞ an-dere Glasschreine mit Königsanbetung und Tempelaufopferung vor-gesehen. Drei solche Glasschränke mit Krippenszenen, deren etwazehn Zentimeter hohe Wachsfigürchen mit hellen, leuchtenden Farbenlebhaft bunt bemalt und von allerlei hölzernem und papiergeschnit-tenem Beiwerk an Häusern und Bäumen umgeben sind, kamen ausdem Taub stummeninstitut zu Graz als Leihgaben ansJoanneum. In einem Schrein bringen die Hirten ihre Gaben, im an-deren beten die Könige an und im dritten ist die Beschneidung desKnaben im Tempel dargestellt. Besonders im Rokoko bosselten dieKunsthandwerker gerne solche Kleinszenen aus Wachs und schufenreizende Innenräume wie z. B. jenen Augsburger Schrein, einen vonvier gleichartigen, in dem Maria inmitten eines Louis- Seize- Gemachesmit Stuck und feinen Möbeln als Dame den Himmelspagen emp-fängt 49). Zum Advent, zu Weihnachten, auf Dreikönig, Lichtmeẞ undOstern, immer wieder stellte man die ausgewählten Kleinszenen aufden Seitenaltären auf.
6. Die Festenburger Krippenkapelle
Auch auf der steirischen Festenburg im Waldland nördlich Vorauhat der Krippengedanke der Barockzeit ein schönes Denkmal hinter-lassen. Die graue Burg, Wirkungsstätte, Wahlheimat und SterbeortOttokar Kernstocks, war unter dem kunstsinnigen Vorauer ProbstPhilipp Leis von 1710 an zu einer steirischen Gralsburg ausgebautworden. In eigenartig illusionistischen Bildern des Vorauer Stifts-malers Johann Cyriak Hackhofer aus Wilten bei Innsbruckerstand vom Fuße der Burg bis hinauf zur Kirche eine Kette vonKapellen, in denen das Thema des freudenreichen, des schmerzhaftenund des glorreichen Rosenkranzes abgewandelt erscheint und in dieBilderreihe vom Leiden Christi das Märtyrerleben der FestenburgerKirchenpatronin, der hl. Katharina von Alexandrien verflochten ist.
Der Wallfahrer, der durch den einsamen Lafnitzgraben hereinund den Burgwald empor gestiegen war, läßt sich schon in der erstenKapelle im Neuteil des Schlosses von der gesuchten Stimmung einerillusionistischen Nachbildung der berühmten„ ,, Santa casa" in Lorettoeinschließen und schreitet andächtig weiter in die Krippenkapelle.In ruhiger und edler Haltung neigen sich die ziemlich großen plasti-schen Gestalten Marias und Josephs über das Kind in der Krippe aufdem Altar. Rundum aber sind im Raume die Vorfahren Christi ab-gebildet, gleichsam die Zeugen der Erfüllung ihrer Sehnsucht und desSinnes ihres Lebens. Auf dem prächtig erhaltenen Deckenfresko um-schweben die Engel in verzückten Stellungen Gottvater, der voll Mildeauf seinen Sohn niedersieht, wie er als armseliges Menschenkind auf
49) Ringler, a. a. O., S. 17 f.
29