Druckschrift 
Weihnachtskrippen in Steiermark : kleine Kulturgeschichte eines Volkskunstwerkes
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

bin verdammt. Unter einer Pflanze war zugleich das Schauder er-regende Bild des Teufels verborgen, der mit seinen äußerst spitzenKrallen die unglückliche Seele in die ewigen Abgründe zu ziehen imBegriffe ist. Als nun diese Figur, ohne daß Johannes es ahnte, durchSchnüre plötzlich bewegt wurde, erschrak er so sehr beim Anblicke desschrecklichen Dämons, daß er meinte bald von ihm ergriffen zu wer-den und, ganz blaẞ, an allen Gliedern zitterte und nach Hause eilte.Diese offenkundigen Zeichen der ungewohnten Furcht waren eine Folgeseines schlechten Gewissens. Von seinen Kameraden unaufhörlichgebeten, erzählte er nun den elenden Zustand seines Lebens, und dader Vertrag mit dem Teufel zu Ende gehe, habe er nichts Besseres zuerwarten, als was er bei den Kapuzinern gesehen."

Doch geht noch alles gut aus, wenngleich der Teufel sein Opfernicht schnell und willig frei ließ, sondern den bis nach Ablauf dergefährlichen Bündnisfrist ins Kloster aufgenommenen reuigen Sündermit Steinwürfen und Drohungen mißhandelte, ehe er den Bündnis-vertrag durchs Fenster warf und von ihm ablief?.

Daß sich hier bei den steirischen Kapuzinern zu Dreikönig 1666neben dem Weihnachtsbilde, das wohl die Mitte des Krippentheaterseingenommen hatte, auch das erschütternde Jenseitsschicksal jenes be-rühmten Cenodoxus, des Doktors von Paris" dargestellt findet, dasdie Ewigkeitsstrafe eines im Diesseits im Rufe der RechtlichkeitLebenden und im Schein der Heiligkeit Verstorbenen erzählt und einstBruno von Köln so sehr ergriffen hatte, daß er den strengen Kar-täuserorden gründete, zeigt, wie sich's die Kapuziner angelegen seinließen, bühnenwirksame Szenen des Barocktheaters auch ihrer Krip-penschau erfolgssicher einzufügen. Denn das erregende Thema ist inder dramatischen Bearbeitung des Jesuitendichters Jacob Bidermann( 1578-1639) über viele Jesuitenbühnen Österreichs, Deutschlands undder Schweiz gegangen und auch zweimal im Druck erschienen.

Freilich vermögen wir aus dem allein noch vorhandenen deutschenChronikauszug nicht genau die Bewegungsart der Figuren, die Ein-richtung des Schnurzugmechanismus zu erkennen. Die spätere Barock-zeit und noch das Rokoko hat an solchen mechanischen Krippenthea-tern mehr und mehr Freude empfunden und uns manch ein gelungenesStück als Erbe hinterlassen. Kein bedeutenderes und köstlicheres frei-lich als jenes von Wasserkraft betriebene Puppentheater im fürsterz-bischöflichen Schloßpark von Hellbrunn bei Salzburg, das von 1750 bis1752 erbaut wurde.

Doch das ist Liebhaberkunst aus der Mitte des theaternärrischen18. Jahrhunderts. Viele mechanische Puppentheater, Weihnachtskrip-pen und solche mit Darstellungen des Leidens Christi, die ,, Fasten-krippen", gibt es auch in volkstümlicher Ausführung in Kirchen undBürgerhäusern, allerdings kaum so früh, wie diese zwei steirischenaus der Mitte des 17. Jahrhunderts. Manche davon haben sich bis heutein der Gunst des Volkes erhalten oder sind im Zuge freundlicher An-teilnahme an den Spielwerken der Vergangenheit, in der liebevollen,, Andacht zum Unbedeutenden" wie sie die eine Seite unserer Kultur-betrachtung und Volksgutpflege seit den Tagen der Brüder Grimmkennzeichnet, wieder hervorgeholt und in Stand gesetzt worden.

25