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Weihnachtskrippen in Steiermark : kleine Kulturgeschichte eines Volkskunstwerkes
Entstehung
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wand stand ein hell beleuchtetes Kirchlein, in welchem ein Ordens-bruder am Glockenstrang zog und ein Glöcklein, dessen Silberklangüber die schöne Landschaft lief, zum Tönen brachte. Aus dem Rauch-fang eines Hauses sah von Zeit zu Zeit ein Rauchfangkehrer herausund am Zaun stand der Hahn und krähte sein lustiges Kikeriki!Vor der heiligen Familie zogen aber ununterbrochen anbetendeKnechte und Bürger, bespannte Reisewagen, Schafherden, wilde Tiere,Kamele mit ihren Treibern vorüber 34)."

Darf man dieser Schilderung glauben, so hätten diese Figurenwohl die begabtesten Puppentechniker des Folgejahrhunderts in derSteiermark, die Mürztaler und Eisenerzer Tendler begeistern können.Leider ist keine einzige Figur daraus auf uns gekommen. Wie so vieleandere Gegenstände volkstümlicher Verehrung und religiösen Volks-brauches sind sie bei einem der zahlreichen Stadtbrände von Bruck aufdem Dachboden der Kirche verbrannt.

Sichere Kunde von einem mechanischen Puppentheater, das zur Weih-nachtszeit im Kapuzinerkloster vor dem Paulustor zu Graz,dem heutigen Steirischen Volkskundemuseum, aufgestellt war, schenktuns die Geschichte einer Teufelsbündnerbekehrung, die sichum Dreikönig 1666 dabei ergab 35). Die lateinische Chronik diesesersten Kapuzinerklosters in der Steiermark berichtet davon 36). EinBuchdruckergeselle namens Johannes Tenorius aus Prag, dem derChronist wohl nicht ohne Absicht den Namen jenes anderen, schlief-lich aber nicht geretteten Frevlers Don Juan Tenorio gegeben hatte.war schwach genug gewesen, sich durch ein Buch des übel berüchtigtenDr. Faust verlocken zu lassen, daß er sich feierlich mit Blut auf siebenJahre dem Teufel verschrieb, der ihn dafür hieb- und stichfest machenmußte. Kurz vor Ablauf der Frist besuchte er mit Freunden im GrazerKapuzinerkloster eine andächtige Einsiedelei mit einigen wenigen be-weglichen Figuren", die von den Kapuzinern 1666,, zu Andacht undErbauung vieler, die sie fast täglich besuchten", erbaut worden war.Ist hier die Seelsorgeabsicht der Kapuziner, die immer gerne mit denMitteln der lebendigen Schau, des Bildes und des Spieles oder Spiel-aufzuges ihre Ziele verfolgten, schon in der Chronik bezeugt, soerzählt der Ausgang der Geschichte von der Wirkung dieses Krippen-theaters auf manche Zuschauer und rechtfertigt sozusagen in denAugen des Schreibers der Chronik, eines Kapuzinerpaters JohannesMaria von Drauburg, der zu Graz im Grabenkloster 1740 starb, dieseArt volkstümlicher Barockseelsorge damit, daß die Krippe eben aucheine Art Gnadenmittel sein könne. Denn, unter diesen Figuren befandsich auch eine, die jenen Pariser Doktor darstellte, der an den dreiTagen, da für ihn die kirchlichen Totenoffizien gehalten wurden,gleichsam lebend im Sarge rief:, Ich bin angeklagt, ich bin gerichtet, ich

34) F. Röschel, Bilder aus Alt- Bruck. III. Bd., Graz 1932, S. 72 f.35) L. Kretzenbacher, Ein steirischer Teufelsbündner des 17. Jahr-hunderts( Blätter für Heimatkunde, Bd. XXIV, Graz 1950, S. 80 ff.); ders.,Faust in Mariazell( Chronik des Wiener Goethe- Vereins, Bd. LV, Wien 1950,S. 28 ff.).

36) Acta Conventus Graecensis ad S. Antonium Paduanum. Chronik inlateinischer Sprache. Sie wird als verschollen angegeben. Ein deutscher Aus-zug aus dem Jahre 1929 im Steiermärkischen Landesarchiv, Handschrift XII/ 5.

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