und Volk von weitum heran 32). Dafür bewahrte sich die Steiermarkund Kärnten das köstliche Erbe lebendigen Volksschauspiels der Weih-nacht mit„, Paradeis-" und„ Hirtenspiel" lebendiger Darsteller mitalten Versen, mit Liedern und Hirtentänzen in den Bauernstuben undWirtshäusern mancher Waldgräben der Heimat 33). how my
Von zwei mechanischen Krippen des 17. Jahrhunderts in Steier-mark erzählen uns Archiv und Chronik. Um 1650 war zu Bruck ander Mur bei den Minoriten das Getriebe der Turmuhr von einemGrazer Meister wieder in Gang gebracht worden. Dabei half ihm derKürschnergeselle Andreas, der als Bastler und Tausendkünstler wohlbekannt war. Der kam auf den Einfall, die Krippenfigurendes Minoritenklosters, die ein kunstsinniger Pater ,, vor mehrals hundert Jahren" geschnitzt und zusammengestellt haben soll, mitdem Treibwerk der Turmuhr zu verbinden und so ein mechani-sches Weihnachtstheater zu schaffen. Ob nun die vorhan-denen Schnitzbilder wirklich schon so alt waren, wie unser Gewährs-mann in einer alten Chronik gelesen haben will, daß sie also schonum 1550 entstanden sein sollen, das bleibe dahingestellt. Jedenfallsgelang das Werk des Mechanisierens von 1650. Der KürschnergeselleAndreas zu„ Prugg bey der Muer" brachte es dahin, daß die Gewichteder Turmuhr sein Weihnachtstheater in der Kirchenmitte durch vier-undzwanzig Stunden ununterbrochen in Gang hielten,„, alles in an-dauernder Bewegung, sich stets von neuem wiederholend". Da uns dieQuelle nicht bekannt gegeben wurde, müssen wir die Schilderungdessen, was sich alles fortwährend um das Christkind beweglichstbegab, jenem liebevoll erzählenden Heimatkundler überlassen:
,, In der Felshöhlung sah man die heilige Familie. Maria, die Mut-ter, hielt im Schoß Jesus, der mit den kleinen Händchen wie segnendauf und nieder fuhr, während der Nährvater Josef mit einem Hammeran der Wiege hämmerte. Ein Esel, der, den langohrigen Kopf hin undherwiegend, mit dem Vorderfuß den Boden scharrte, stand abseits desFelsens, vor welchem die heiligen drei Könige kniend ihre Kronenneigten. Am Felsen oben flatterten fanfarenblasende Engel mit großenFlügeln und von der Alm schritten die Hirten mit langen Stäbenherab. Sie zogen mit ihren Herden an der heiligen Familie vorbei undverschwanden im Walde hinter der Schmiede, in der der Schmied mitseinen Gesellen fleißig am glühenden Eisen hämmerte. Doch hintenwieder, am klaren Bach, stand die Mühle, dort klapperte auch dasgroße Mühlenrad, während der Müller in kurzen Zwischenräumen ausdem Tor trat und nach dem Wetter Ausschau hielt. In der Ferne sahman Windmühlen in voller Bewegung. Drüben am Walde sägten zweiZimmerleute an einem Bloch, weiter rückwärts fällten Holzknechteeinen Baum und aus dem Wald heraus kamen Jäger mit ihren Hun-den, die gleichfalls an dem Jesukind vorbeizogen. Hinten an der Fels-
32) V. Geramb V. Zack, Das Steyrer Kripperl( Wiener Zeitschriftfür Volkskunde, Bd. XXV, 1919, S. 1 ff.).
33) Vgl. L. Kretzenbacher, Die Steiermark in der Volksschauspiel-landschaft Innerösterreich( Österreichische Zeitschrift für Volkskunde, N. S.,Bd. II, Wien 1948, S. 148 ff.).- Ders., Lebendiges Volksschauspiel in Steier-mark( Österreichische Volkskultur. Forschungen zur Volkskunde, Bd. 6).Wien 1951. S. 41 ff., 97 ff.
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