einen ,, neumodischen" Barockaltar zu leisten, daß beide das alte Mittelstück noch gut genug fanden für die entlegene Bergkirche? Daswird sich schwerlich entscheiden lassen, da keine Chronik darüberschrieb, die auf uns gekommen wäre. Genug, daß dieses Mirakel inHolz und Farben überhaupt blieb und wir uns seiner freuen dürfenbeim Anblick der hold- lächelnden Mutter, deren Kindlein lebhaft nachdem kostbar schimmernden Kelche greift, den der knieende König ihmopfernd reicht. Sein Page hält mit gestreckten Armen den Kronhelmüber ihm, genau so wie es jeweils die zwei anderen Könige im Ober-murtaler Hirtenspiel zu Steirisch- Laßnitz heute noch tun, wenn derdritte zwischen ihnen knieend sein Sprüchel sagt, seine Gabe reichtund demütig das solcherart entblößte Haupt neigt. Der schwarze Kö-nig im Oppenberger Schrein reckt sich hoch im Sattel seines Reittieres.Er sieht nach dem leuchtenden Sterne, der ihn und seine waffenstar-renden Reisigen hieher geführt. Der dritte König schreitet mit seinemGaben tragenden Gefolge tänzerisch zum Kinde, als wäre es im Fest-saal einer Burg und nicht im Staub vor einer zerfallenden Hütte.
Wahrhaftig, sie tanzen mehr als daß sie schreiten und gehen. Danimmt es nicht wunder, daß Kenner das Werk des Unbekannten kei-nem Geringeren als dem Bayern Erasmus Grasser zuschreiben 4), derdas Rathaus zu München und die Galerien unter dem Goldenen Dachlvon Innsbruck in hoher Kunst der gotischen Spätzeit mit Moriska-Tänzern zierte. Andere freilich finden, daß Grasser bei all seiner Kunstdie Figuren doch nur nebeneinander zu stellen verstand, sie aber nichtin so wohlbedachter, lebendig ineinander fließender Vielfalt zu ver-binden vermochte. ,, Kühl, ängstlich ausgewogen und temperamentarm"scheint einem Grassers Kunst gemessen an der„, strömenden Bewegt-heit der Oppenberger Gruppen" 5).
Wer nun der Künstler auch gewesen sein mag, er war ein begna-deter Meister, als er seine Kunst dem kleinen Kirchlein in der stei-rischen Einschicht lieh.
4. Das Krippenrelief in der Hinterlobming.
Sicher hat es noch manchen gotischen Weihnachtsaltar mit Schreinund Flügeln auch in der Steiermark gegeben. Uns blieb nur das Mittel-stück des einen, der auch dem völlig anderen Kunstsinn einer späterenZeit als erhaben schien. Noch nach dreihundert und mehr Jahren bil-dete manch ein ländlicher Schnitzer auch in der Steiermark seineKrippe wie einen solchen Schrein. Ein einziges Denkmal früherer Zeitund einem Schreinstück ähnlich blieb uns noch erhalten, das Krippen-relief von Hinterlobming.
Tief drinnen in einem Waldgraben, der vom mittleren Murtalebei St. Stefan ob Leoben südwärts an den Fuß der Gleinalpe führt,liegt das kleine Kirchlein des Flößer- und Fuhrleutepatrons St. Ni-kolaus in der Hinterlobming. An der linken Chorwand
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4) K. Garzarolli von Thurnlackh, Mittelalterliche Plastik inSteiermark. Graz 1941, S. 77, 113; aus Ahorn; 111: 126 cm; Einzelfiguren etwa50 cm hoch.
5) H. Decker, Der Schrein von Oppenberg. Ein Meister der Spätgotik( Wochenschrift„ Die Furche", Wien, vom 8. I. 1949).