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Die Mariengnadenbilder Wiens und Niederösterreichs in der Barockzeit : der Wandel ihrer Ikonographie und ihrer Verehrung
Entstehung
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Kopien des Gnadenbildes der Stiftskirche der regulierten Chorherren zu Karlshofin Neu- Prag:

Die genaue Untersuchung des Prager Gnadenbildes ist nicht möglich, daher kannauch nichts zur Provenienz und Datierung ausgesagt werden. Einzig die Ikono-graphie kann durch kleine Andachtsbilder erschlossen werden( Abb. 29).Ikonographie und Typ us: Ikonographisch ist das Gnadenbild eine Matergravida. Über die Entstehung dieser Darstellung gehen die Meinungen auseinander.Künstle( 1), Didron( 2), Detzel( 3) erklären die Entstehung aus den Zugeständnissenan einen primitiven Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiven Geschmack bei der Darstellung der Heimsuchung Mariens,Paul de Keyser( 4) nimmt als literarische Wurzel die Anbetung des Kindes vor derGeburt an. In der Entgegnung dazu leitet Geßler( 5) die Darstellung aus einerdidaktischen Auffassung der Begrüßungsworte Mariens bei der Heimsuchung ähn-lich wie die älteren Autoren ab. Trens( 6) versucht die Ableitung aus der Analogieder Mater gravida zum schwangeren apokalyptischen Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib, Kenneth Clark( 7)umschreibt das Vorkommen ähnlicher Darstellungen geographisch. Doering( 8) siehtdie Darstellung als Parallele zum byzantinischen Ikonentypus der Platytera( 9, 10).Eine Entstehung der Mater gravida aus der Platyera anzunehmen, ist aber unrich-tig. Eine direkte Weiterbildung der stehenden Platytera zur Mater gravida, die inBezug auf den geprägten ikonographischen Typus denkbar wäre, konnte selbst inVenedig, wo Nachwirkungen der Platy teradarstellungen in bestimmten Formen desMaria- Schutzmantelbildes( 11, 12) besonders von 1350-1450 anzutreffen sind( wobeidie Symbolik des byzantinischen Typus mißverstanden erscheint[ 10]) nicht nach-gewiesen werden. Dogmatische Differenzen zwischen der Ost- und Westkirchedürften die Ursache dafür sein, daß es wohl vereinzelte Übernahmen der Platyteraim Abendland Glossar ::: zum Glossareintrag  Abendland gibt, ohne daß es zu einer direkten Weiterentwicklung kam. Dasabendländische Glossar ::: zum Glossareintrag abendländische Andachtsbild der Mater gravida ist vielmehr als Isolierung einerSzene des Marienlebens aufzufassen( Maria wird schon seit dem hohen Mittelalterin Verkündigungs- und Heimsuchungsbildern gravid dargestellt[ 13]). Eine Isolie-rung aus der Heimsuchung, wie die älteren Autoren annehmen, ist unwahrschein-lich, weil das ein Zerreißen eines szenischen Zusammenhanges bedeuten würde, undaußerdem der Darstellung der Mater gravida, die in Kontemplation, das Kind inihrem Schoẞ anbetend, gegeben ist, nicht gerecht wird. Hingegen ist eine Szene, inder Maria als Tempeljungfrau Glossar ::: zum Glossareintrag  Tempeljungfrau nach der Empfängnis weiter von Engeln bedientund das Kind durch sie ante partum angebetet wird( 4), als Ausgangspunkt anzu-nehmen. Diese Szene konnte zwar in der mittelalterlichen Legendenliteratur nochnicht nachgewiesen werden, wäre aber vor dem Auftreten Josephs, der zur Fahrtnach Bethlehem mahnt, denkbar, wie ein deutsches Beispiel der sitzenden Matergravida um 1400 zeigt, die am Spinnrocken sitzt, während Joseph zum Aufbruchauffordert( 14). Die Szene ist im Spielbrauch der Gegenreformation vorhanden( 15)und kann wohl auch für das Mittelalter angenommen werden. Außerdem ist seitder Gegenreformation die Verwendung einer Statue oder eines Bildes der Matergravida im volkstümlichen Spielbrauch des Frauentragens" oder Herbergsuchens"nachzuweisen( 16, 17, 18).- Durch diesen Ausgangspunkt würde sich sowohl dasin den spanischen Beispielen vorkommende Attribut des Buches als auch der Inhaltder Spruchbänder, die sich durchwegs auf die baldige Geburt des Herrn beziehen( 6) erklären.

Die Darstellungen der Mater gravida als Andachtsbild gehen zeitlich nicht hinterdas 14. Jahrhundert zurück( 19), in der Druckgraphik scheinen sie m. W. erst seitder Gegenreformation auf. Die Mater gravida wird stehend oder sitzend, in Kon-templation versunken, das Kind in ihrem Schoß anbetend, dargestellt. Dabei kann

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