VORWORT
Die Beschäftigung mit den Gnadenbildern Mariens hat seit den mittel-alterlichen Erwähnungen der Lukasbilder Roms bis zu den historisch-topographischen marianischen Atlanten des Barocks, die auch noch im19. Jahrhundert erweiterte Auflagen erlebten, eine lange Tradition. Nebendiesen Versuchen, die Summe der Mariengnadenbilder der ganzen katho-lischen Welt zu erfassen, hat zuerst Beissel begonnen, die Entwicklungder Verehrung Mariens und damit auch ihrer Gnadenbilder darzustellenund diese selbst zu beschreiben. Im weiteren trachtet die religiöse Volks-kunde das Wallfahrtswesen in seinem Brauchtum Glossar ::: zum Glossareintrag Brauchtum, seinen legendärenund dinglichen Zeugnissen zu erfassen, zu beschreiben und darzustellen.Von hier aus ist auch über das kleine Andachtsbild die Ikonographie derMariengnadenbilder selbst Gegenstand von Untersuchungen geworden. Vonkunsthistorischer Seite wurde schon früh die Bedeutung des Nachlebens ver-ehrter Bilder in der künstlerischen Produktion späterer Epochen festgestelltund einzelne Gruppen der byzantinischen und abendländischen Glossar ::: zum Glossareintrag abendländischen Malerei vondiesem Gesichtspunkt aus betrachtet. Die Ikonographie der Muttergottes inihren frühen Epochen ist geradezu eine Ikonographie ihrer Gnadenbilder.Bei den böhmischen Marienbildern des 14. Jahrhunderts wurde bald dernachwirkende Einfluß der byzantinischen Ikonographie festgestellt, derwie spätere Untersuchungen zeigten auch in den Gnadenbildern jüngererZeiten, vor allem im Barock, in Ikonographie und Legende lebendig weiter-wirkt.
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Die vorliegende Arbeit versucht nun sowohl kunsthistorisch die Ikono-graphie und Typologie der während der Barockzeit in Niederösterreich ver-ehrten Mariengnadenbilder festzustellen, als auch den sich in ihrer zeit-lichen Aufeinanderfolge ergebenden Wandel durch und mit der Entwick-lung der Frömmigkeit zu erklären. Sie verbindet also Kunsthistorisches undVolkskundliches in Material und Methode und hofft, damit einen Beitragzur Kenntnis der religiösen Bildvorstellungen und der Struktur der Fröm-migkeit des Barocks in Österreich zu liefern.
Die Arbeit ist aus einer Dissertation entstanden, die 1951 bei denHerren Prof. Dr. Karl M. Swoboda und Prof. Dr. Leopold Schmidt an derUniversität Wien abgeschlossen und nun völlig neu bearbeitet und ergänztwurde. Es war mir eine besondere Freude, daß die Ergebnisse der Disser-tation bereits in den beiden kürzlich erschienenen Bänden der Wallfahrts-topographie Österreichs von Gustav Gugitz verwertet werden konnten.Der Textteil der Arbeit beruht auf einem ikonographisch und typologischgeordneten Katalog der Gnadenbilder, in dem auch ihre Verehrungs-geschichte eingehend behandelt wird. Im Text findet das im Katalog ge-sammelte Material seine zusammenhängende Darstellung, wobei jeweils aufdie Nummern des Katalogs hingewiesen wird( Katalognummern in Klam-mern). Bei der Geschichte der Gnadenbilder wurde sowohl das tatsächlichhistorisch Feststellbare, als auch das Legendäre berücksichtigt, da dieses in
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