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Die Mariengnadenbilder Wiens und Niederösterreichs in der Barockzeit : der Wandel ihrer Ikonographie und ihrer Verehrung
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V. NACHMITTELALTERLICHE BILDTYPEN ALS GNADENBILDER

Die bis jetzt behandelten Gnadenbilder ließen sich fast alle auf ältereGnadenbilder zurückführen, denen sie nachgebildet wurden. Die ikono-graphische Beziehung entsprach also der kultgeschichtlichen, oder aberes konnte die Tradierung bzw. Wiederaufnahme der Verehrung einesmittelalterlichen Gnadenbildes nachgewiesen werden, oder wie bei einemTeil der mittelalterlichen Bilder und auch der Cranachschen Originaledie numinose Wirksamkeit des Alten, des vor der Reformation Ent-standenen, angenommen werden. Die nun folgenden Gnadenbilder, dieMaria und ihr Leben zum Gegenstand haben, lassen sich wohl kompositionellund ikonographisch auf ältere Vorbilder zurückführen, ohne daß aber immerüber das Kompositionsschema und den ikonographischen Typus hinaus einekultgeschichtliche Beziehung zu vorbildhaften Gnadenbildern nachgewiesenwerden könnte. Diese Gemälde verkörpern die produktive Seite der reli-giösen Malerei seit der Gegenreformation, die in Niederösterreich kultischeGeltung erlangte, wenn man die zuvor behandelten, soweit es Kopien des17. und 18. Jahrhunderts waren, die reproduzierende nennen will. Ent-sprechend dem künstlerischen Gefälle dieser Jahrhunderte handelt es sichalso um Marienbilder und Marienbildtypen, die aus Spanien, Italien oderFlandern hierher gekommen sind und hier erst Gnadenbilder wurden.Die Übernahme geschah natürlich auf der Basis der religiösen Wirksam-keit, doch nicht wie vorwiegend in den beiden ersten Gruppen unter dergeforderten Identität der Gnadenbildkopie.

Als einziger Typus, der aus der Tradition der italienischen Hochrenais-sance stammt und bezeichnenderweise eine eklektische Kompilation zweierberühmter Marienbilder Raffaels darstellt, ist das Marienbild anzuführen,das in der Wallfahrtskirche Maria Bründl bei Poysdorf als Gnadenbildverehrt wird( 179). Entsprechend ist auch der Vorgang, der zur Installationdes Gnadenbildes führte: es wurde im Hinblick auf eine künftige Ver-ehrung in Auftrag gegeben und 1657 aufgestellt. Ähnlich verhält es sich mitdem Gnadenbild von Gutenbrunn am Weinsberger Forst( 180)( Abb. 33),das eine Madonna des Piazetta variiert und auch als Stiftung unmittelbaraus der künstlerischen Produktion des 18. Jahrhunderts bei einer schonfrüher verehrten Quelle zum Gnadenbild wurde.

In der Barockzeit sind auch eine Reihe von Bildern, die Szenen ausdem Marienleben darstellen, Gnadenbilder geworden, die dann eine lokaleVerehrung genossen. Dabei ist festzustellen, daß auch Altarbilder Gnaden-bilder wurden, wie man aus kleinen Andachtsbildern, die nach ihnen her-gestellt wurden, ersieht. Diese Entwicklung ist keineswegs nur am Randeerfolgt, sondern hat ihre Zeugnisse selbst in der Hofkirche zu St. Augustinin Wien( 185, 188). Eine szenische Darstellung der Verkündigung Mariens,die einem manieristischen Vorbild folgt, ist auf dem Michelsberg beiStockerau als Gnadenbild verehrt worden( heute in der Pfarrkirche vonHaselbach[ 181]). Die Verehrung des Bildes ist zwar durch kein kleines An-dachtsbild erwiesen, aber sonst vielfach belegt und hat in der Zeit ihrer

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