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Die Mariengnadenbilder Wiens und Niederösterreichs in der Barockzeit : der Wandel ihrer Ikonographie und ihrer Verehrung
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II. DIE DINGLICHEN UND LEGENDÄREN GRUNDLAGEN DERVEREHRUNG DER GNADENBILDER

Die in dieser Arbeit behandelten Bilder sind zum größten Teil kultischverehrte Gegenstände von Wallfahrten oder unterliegen einer analogenVerehrung, die sich von dieser nur graduell unterscheidet. Bevor ikono-graphisch untersucht wird, welchen Typen diese Verehrung zukommt, sollsoweit es möglich ist ebenfalls an typischen Beispielen die Grundlagedieses religiösen Verhaltens im Dinglichen und Legendären betrachtetwerden 167), um ihr Auftreten in unserem Zeitraum und ihren eventuellenWandel festzustellen.

Die Kultorte in ihrer besonderen Erscheinung

Phänomenologisch und auch allgemein- historisch ist die Grundlage fürdie Wallfahrt, die als eine Wanderung zu einem bestimmten Kultplatz miteinem bestimmten Kultobjekt, das dort eine örtliche besondere Verehrunggenießt" 168) bezeichnet wird, durch den Höhlen-, Höhen-, Stein-, Baum- undQuellenkult als, Mutterschicht im Kultplatz" gegeben. Ist vom Erscheinungs-bild her in hohem Ausmaß mit Kontinuitätserscheinungen" seit der ur-geschichtlichen Periode in der Auswahl der Kultorte zu rechnen, wie L.Schmidt auf R. Kriss und R. Andree sich berufend festgestellt hat, so

ist der reale historische Nachweis gerade für unser Gebiet so gut wie inkeinem Fall gegeben. Bei den Höhlenkultorten, die die kulturhisto-risch älteste Gruppe darstellen, hat L. Schmidt besonders auf die Ötscher-höhlen hingewiesen, in denen sich nach dem Bericht Richard Streuns vonSchwarzenau( 1591 Erforschung der Ötscherhöhlen auf Befehl Kaiser Ru-dolfs II.) Idole" gefunden haben sollen 169), jedoch fehlt hier die Verbindungzu einem neuzeitlichen Wallfahrtskult. Eine weitere Höhle am Mariahilfer-berg bei Gutenstein hat erst unter einer Gräfin Hoyos im 18. Jahrhundert 170)eine nachweisbar kultische Funktion( Magdalenenbußhöhle) erhalten.

Ebenso schwierig ist der Nachweis einer tieferen historischen und nichtnur phänomenologischen Verbindung bei den Höhenkultorten 171).Das auf der Hohen Salve bei Kitzbühel gefundene Bronzeschwert könnte

167) Vollständigkeit konnte wegen der Fülle des Materials und der fehlendenKonkordanz mit den Nachbardisziplinen, bes. der Urgeschichte, nicht erreicht wer-den. Methodisch richtungsweisend war L. Schmidt, Die Bedeutung der modernenVolksglaubensforschung für die Urgeschichte( Archaeologia Austriaca 1949, Heft 4,140 ff.), weiter R. Kriss, Religiöse Volkskunde Altbayerns, Brünn- München- Wien1933 und für die Behandlung der Verehrung einzelner Heiliger G. Gugitz, DasJahr und seine Feste im Volksbrauch Österreichs, I, 1949 und II, 1950.

168) R. Kriss, a. a. O., 20: Hier ist auch auf die Problematik des wechselseitigenVerhältnisses zwischen Mutter- und Tochterschicht bei Ausbildung des Kultes ein-gegangen.

169) M. S. Becker, Reisehandbuch für den Ötscher, Wien 1859, I, 469 ff.

170) Nach der Legende unter dem kleinen Andachtsbild von M. Engelbrecht( Wien, Österr. Museum für Volkskunde, Sammlung Gugitz).

171) Phänomenologisch zusammengestellt und ethnologisch geordnet bei F. v.Andrian, Der Höhencultus asiatischer und europäischer Völker, Wien 1891.

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