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Die Mariengnadenbilder Wiens und Niederösterreichs in der Barockzeit : der Wandel ihrer Ikonographie und ihrer Verehrung
Entstehung
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als Beispiel für jene, die durch das Hinzukommen dieses Motivs Erweite-rung und Belebung erfahren haben. Das Pestmotiv, das durch die allgemein-menschliche Gültigkeit in sich schon mehr den aktuellen Wert des Gnaden-bildes herausstreicht, verbindet sich in noch geringerem Maß als das Türken-motiv mit dem mittelalterlichen und volkstümlichen Motivgut.

Dies ist auch allgemein der Fall. Während das vorwiegend mittelalter-liche Legendengut rein nur noch im 17. Jahrhundert( Protestantenkreuz inHorn 1659) und am Anfang des 18. Jahrhunderts( Schwemmlegende in Pur-kersdorf 1709) vorkommt, ziehen im weiteren Verlauf die allgemein histo-rischen Motive wie Pest- und Türkenmotiv das volkstümliche Motivgut ansich und deuten es im aktuellen Sinn um( vorbereitet durch Frevlerlegendender Protestanten, Calviner usw.). Dabei geht deren Eigenwert soweit ver-loren, daß das Türken- und Pestmotiv maßgebend für die Legendenbildungüberhaupt wird, wie das bei dem Motiv der Türkenflucht( Maria Candiausw.) und der Heilkraft im Falle der Pest( Karnabrunn usw.) nachzuweisenist. Im 2. Viertel des 18. Jahrhunderts( etwa ab 1730) treten auch dieseMotive zurück und es scheint besser, von hier ab überhaupt nicht mehr voneiner Legendenbildung zu sprechen. Die nun entstehenden Wallfahrten ver-ankern und motivieren ihre Kultobjekte nicht mehr traditionell legendär.Auch das Türkenmotiv und das Pestmotiv verliert an Aktualität. Die Gna-denbilder der nun entstehenden Wallfahrten sind Ordensheiligtümer, diewieder ihre kultischen Werte nicht primär aus den traditionellen Legendenoder den dinglichen Grundlagen beziehen, sondern aus der Tatsache des" genauen" Abbildes und des Primats der Verehrung, die sie innerhalb deswallfahrtsfördernden Ordens genossen 256). Dabei erscheint auch die poli-tische Bedeutung der Ordensheiligtümer wesentlich 257).

Die verehrten Bilder

Mit diesen dinglichen und legendären Grundlagen sind Gnadenbilderverbunden. Ihr kultisches Ansehen kann aber auch darauf beruhen, daßsie Kopien von Lukasbildern" oder Ordensheiligtümern gegenreformatorischengst mit dem staatlich- politischen Geschehen verquickter Orden sind. DieseKopien werden auf Grund der magisch angenommenen gleichen numinosenKraft bei Gleichheit der äußeren Erscheinung und eventueller Berührungmit dem Urbild verehrt.

Die Verbindung vor allem der dinglichen Grundlagen mit dem ver-ehrten Bild hat ihre phänomenologischen Analogien in der Antike und viel-leicht bei den Kelten 258). Der christliche Bilderkult selbst nimmt seinen An-fang in der Nachfolge oder Ergänzung des Märtyrergrabes bzw. des Re-liquienkultes gegen Ende des 5. Jahrhunderts. Die ersten Belege beziehensich neben den reinen ungegenständlichen Berührungsreliquien, die schonaus dem 4. Jahrhundert berichtet werden 259)( Pinienzapfen, Steine usw.),

256) Vgl. dazu die Beschlüsse der Karmeliter 1735 in Bezug auf die allgemeineVerbreitung des Prager Jesukindes" und der Augustiner von 1753 in Bezug auf dieder ,, Maria vom guten Rat".

257) Vgl. den ew. Dominicus a Jesu Maria und das Gnadenbild Maria mit demgeneigten Haupt"( 52).

258) B. Kötting, Peregrinatio religiosa, Regensburg- Münster 1950, 28.

259) A. Grabar, Martyrium, Recherches sur le culte des reliques et l'art chrétienantique, 3 Bde., Paris 1943.

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