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Die Mariengnadenbilder Wiens und Niederösterreichs in der Barockzeit : der Wandel ihrer Ikonographie und ihrer Verehrung
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VI. ZUSAMMENFASSUNG UND ERGEBNIS

Der gegenständliche Wandel des Mariengnadenbildes während der Barock-zeit in Wien und Niederösterreich

Bisher wurden die Mariengnadenbilder unabhängig vom Zeitpunkt ihresAuftretens nach dem historischen Ort ihres Gegenstandes geordnet unter-sucht. Dabei wurde auch die ikonographische und kultische Tradition dereinzelnen Bilder berücksichtigt. Bevor nun der gegenständliche Wandel be-handelt werden kann, muß die historische Reihe des Auftretens der ein-zelnen ikonographischen Vorwürfe festgestellt werden. Diese würde jedochnur den Beginn, nicht aber die Dynamik der kultischen Verehrung auf-zeigen, die den zweiten wesentlichen Anhaltspunkt für den gegenständlichenWandel bildet. Es müssen also die gegenständlichen Vorwürfe auch auf ihrekultische Wirksamkeit untersucht werden.

Die Grundlage einer solchen historischen Reihe bilden jene Gnaden-bilder, deren Verehrung aus der Zeit vor der Reformation in das 17. und18. Jahrhundert hineinreicht, wobei die latente Tradition und die Wieder-belebung durch die Kräfte der Gegenreformation unterschieden werden muß.Bezeichnend ist, daß die Tradition mittelalterlich verehrter Gnadenbilderim überwiegenden Maß von Plastiken getragen wird. Neben den lokal ver-ehrten Hausmüttern" der einzelnen mittelalterlichen Ordensniederlassun-gen 315) sind hier vor allem die Vesperbilder zu nennen 316), die gegenständ-lich neben der Verehrung des Hl. Kreuzes 317) und den Trinitätswallfahrtendes 15. Jahrhunderts 318) die spätmittelalterliche Wallfahrtsbewegung kenn-zeichnen und in einzelnen Fällen auch eine durchgehende Tradition auf-weisen. Ergänzt müßte eine solche Aufstellung noch durch die seit demMittelalter konstant oder in der Gegenreformation wieder verehrten Marien-statuen werden, die sich außerhalb der Klöster befanden 319), sowie durchdie Erfassung der entsprechenden Heiligenwallfahrten. Dieser Traditiongegenüber ist die Zahl der Marienbilder, die durchgehend als Gnadenbilderverehrt wurden, äußerst gering. Einigermaßen gesichert und an das ursprüng-liche( wenn auch nicht primäre) Kultobjekt gebunden, erscheint diese Tradi-tion in der Verehrung der Maria in der Sonne am Frauenaltar in St. Stephan,

315) So z. B. die Gnadenstatue des Augustinerinnenklosters St. Jakob auf derHülben, heute bei den Salesianerinnen in Wien III., die Gnadenstatue von St. Lorenz,heute bei den Elisabethinerinnen in Wien III., usw.

316) Mit großer Wahrscheinlichkeit wurden seit dem Mittelalter als Wallfahrts-orte tradiert: Maria Lanzendorf, Wopfing, Zistersdorf, ohne auf die große Mengemittelalterlicher Pietàdarstellungen einzugehen, die nachträglich im 17. und 18. Jahr-hundert Gnadenbild wurden.

317) So das Wimpassinger Kreuz bei den Minoriten in Wien, die Kreuzesreli-quien in Melk und Heiligenkreuz.

318) Lainz ab 1425, Sonntagsberg ab 1440.

319) So Oberhautzental, Neunkirchen am Ostrong, Lunz, Mönichkirchen vordem 15. Jahrhundert. Aus dem 15. Jahrhundert: Hoheneich bei Waidhofen an derYbbs, Maria Kirchbühel bei Rotengrub, Schönbach am Kamp, Mank, Maria Brunnb. Wien, Niederranna. Weitere Beispiele aus dem 16. Jahrhundert.

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